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Die Wildbäche der Alpen : eine Darstellung ihrer Ursachen, Verheerungen und Bekämpfung als Beitrag zur physischen Geographie / von F.W. Paul Lehrmann
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nicht beizukommen ist, an dem Ruin des Landes zuhindern.

Gewaltige Schwierigkeiten bereitete an manchenStellen die wilde oder verwilderte Natur, während siesich an anderen, und gerade auf den leicht zerstörbarenThon- und Mergelbildungen selbst half, wenn man sieruhig gewähren liess. Bei einer Bekämpfung vielerWildbäche handelt es sich weniger um das, was derMensch thun, als was er unterlassen muss.

Die wunden Stellen im Sammelgebiet können sichnatürlich nicht wieder mit einer schützenden Vegetations-decke bekleiden, wenn die keimenden Pflänzchen vonden Heerden nicht nur abgefressen, sondern auch aus-gerissen und von den scharfen Klauen der Schafe undZiegen zertreten werden. Und gerade in denjenigenGegenden, wo der Bauer in Verzweiflung über seineweggeschwemmten und verschütteten Ernten den Pflugverlassen hat, und wo auch die eine intensivere Oulturerfordernde Milchwirthschaft fehlt, weiden Schafe, be-gleitet von Ziegen, zu hunderten und tausenden auf denAbhängen der Berge. Der einzige Reichthum vielerBewohner, sind sie das Verderben des Landes und dasHinderniss einer besseren Zukunft.

Am schlimmsten ist es auch in dieser Beziehungin den französischen Alpendepartements, wo nicht alleindie den Einwohnern gehörigen Heerden auf den Bergenihre Nahrung suchen, sondern auch alljährlich aus demTieflande d,er Provence ' die sogenannten troupeauxtranshumants zur Sömmerung erscheinen. Gerade dieseThiere werden wegen ihrer Gewohnheit, das Gras mitden Wurzeln auszurupfen, als besonders schädlich be-zeichnet. Ihre Zahl ist bedeutend und wird von CI aveauf eine halbe Million geschätzt. Durchschnittlichwerden pro Kopf 50 Centimes Weidegeld gezahlt, aberwas will das bedeuten, wenn das Land verdirbt und

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