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Bericht der vom Schweizerischen Bundesrathe einberufenen Herren Rathsherr Geigy von Basel und Ingenieur Ziegler von Winterthur über die Ausführung eines Schweizerischen Eisenbahnnetzes in finanzieller Beziehung
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gend einem theoretischen Satze entschieden werden. Wenig-stens kann jene Behauptung, daß sich für wahrhaft nütz-liche Einrichtungen immer auch genügende Privatkräftefinden, keine allgemeine Gültigkeit und also auch keineBeweiskraft haben; denn Posten und Straßen, Kir-chen und Schulen würden an manchen Orten in einemsehr schlechten Zustand sich befinden, wenn ihre Erhaltungund Verbesserung rein nur von Privatkräften abhinge.Den richtigen Maßstab kann allein die Erfahrung undder jetzige Stand der öffentlichen Meinung verschaffen.

Nun ist wahr, daß das englische Eisenbahnnetz dasausgedehnteste und vollendetste von ganz Europa , ohneMitwirkung des Staates zu Stande gekommen ist; undwenn man auch den Reichthum und den Unternehmungs-geist der Engländer nicht in derselben Größe von denPrivatleuten des Festlandes erwarten darf, so sind dochauch in Deutschland zahlreiche Bahnen durch Privatge-sellschaften hergestellt worden. Aber die Leistungsfähig-keit der Privatkräfte im Eisenbahnwesen war doch vielbeschränkter gewesen als man gewöhnlich glaubt. Mansieht eben allzuoft nur auf das, was sie vollbracht habenund nicht auf dasjenige, was sie aufgeben mußten. Wennman sich aber an die Menge von Eisenbahngesellschaftcnerinnert, die in jeder Gegend entstanden und größten-theils ohne irgend welchen Erfolg wieder vergangen sind,oder wenn man wirklich die Geschichte der Eiscnbahnbe-strebnngcn und nicht nur die Geschichte der Eisenbahnenin's Auge faßt, so erkennt man, daß Privatgesellschaftenselbst zur Zeit der ersten Hitze, nur Linien von günstigenVerhältnissen ausführen konnten. Die französischen Kam-mern, welche 1837 und 1838 dem Antrage der Regie-rung , die wichtigsten Bahnen auf Staatskosten ausfüh-ren zu lassen, ihre Zustimmung versagt hatten, sahen