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Bei der genaueren Berechnung der Frequenz, welcheeiner projektirten Eisenbahn zugeschrieben werden kann,sind zwei verschiedene Maßstäbe gebräuchlich. Man ver-vielfacht nämlich entweder die anwohnende Bevölkerungoder den bestehenden Verkehr mit einem Faktor, den dieErfahrung von mehreren Bahnen gegeben hat. BeideMittel sind unschwer anzuwenden, aber beide führenleicht zu unrichtigen Ergebnissen.
Die anwohnende Bevölkerung ist allerdings ein sehrwichtiges Element in der Benutzung der Bahn, indessenkann dasselbe in einer höhern oder niederern Potenz auf-treten, je nachdem Handel und Industrie, Wohlstandoder Gewohnheit zu einer mehr oder minder großen Bewegung antreiben. Die anwohnende Bevölkerung ist abernicht das einzige Element. Die Reisenden im engernSinne des Worts bilden ein anderes, dessen Bedeutungvon der Richtung der Bahnlinie und von ihrer Verbindüng mit größeren Städten abhängt. Wenn z. B. dieErfahrung gezeigt hat, daß auf der badischcn Bahn dieZahl der Passagiere mehr als das Vierfache beträgt vonder auf zwei Stunden Entfernung anwohnenden Bevöl-kerung, so läßt sich dieses Verhältniß nickt unmittelbarauf die würlcmbcrgische Bahn übertragen, weil dieseLinie keinen so bedeutenden Zufluß erhält, wie derselbedurch die Strömung von fremden Reisenden im Rhcin-thale erzeugt wird. Oder, um ein Beispiel aus denschweizerischen Entwürfen zu wählen: es wäre ganz unstatthaft, die Frequenz der Zürich -Norschacker Linie bloßnur aus der anwohnenden Bevölkerung herleiten zu wollcn, und außer Acht zu lassen, daß sie durch die In-fluenz der am Bodensee ausmündenden deutschen Bahnengenährt wird und daß sie auch den Verkehr von Zürich mit St. Gallen mit einem Theile des Toggenburgs,