TFttsserwwrfrad.
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§. 132 .
Bei den kultivirten Grandstücken , welche niedrig gelegen sind, kommt manchmalnoch der Fall vor, dass das Wasser vermöge ihrer Lage aus denselben nicht abfliessenkann. In Holland und den Niederlanden , wo die Grundbette der Flüsse seit Jahrtausendenversandet und erhöht wurden, so dass jetzt ganze Distrikte niedriger als die, selbe durch-strömenden Flüsse oder auch die dort angelegten Kanäle liegen, musste man seit langedarauf bedacht seyn , das durch Regen sich ansammelnde oder durch den Bruch derDämme auf die Grundstücke gelangte Wasser wieder herauszuschaffen, und in die anlie-genden Flüsse und Kanäle zurückzuführen. Man gebraucht zu diesem Zwecke Wasser-wurfräder, die das Wasser auf eine Höhe von 3 bis 5 Fuss heben; sie werden in je-nen Ländern , wo die Strömungen der Luft wegen der Nähe des Meeres weit bedeuten-der sind, gewöhnlich durch Windmühlenfliigel getrieben, mit welchen man sie durch einVorgelege verbindet. Beträgt die Hubshöhe des Wassers 6 oder mehr Fuss, so werden2 oder mehr solche Räder angelegt, welche das Wasser einander zuführen, bis es auf denhöchsten Punkt, nämlich in den Fluss gelangt.
Fig. 8, Tab. 83 stellt ein solches vertikales Wasserwurfrad mit dem dazu ge- j’;„.hörigen Gerinne vor. Dasselbe ist wie ein Strauberrad gebaut, 15 bis 20 Fuss hoch, hat vieran die Welle befestigte Kreutzarme, die zugleich als Schaufeln dienen, und 20 andere 83.Schaufelbreter, welche etwas schief gegen den Mittelpunkt gestellt und an den Schwert-bändern ab befestigt sind, damit das Wasser von ihnen leichter abfliessen könne. Der Spiel-raum im Gerinne beträgt zu jeder Seite der Schaufel 1 bis l‘/ 2 Zoll; die Breite der Schaufeln1% bis 2 Fuss. Das Fluther ist bei A etwas weiter als bei B, damit das Wasser leichterzufliessen könne, von B bis E geht ein hölzerner Kropf und die Oberfläche E des Schwellersliegt beiläufig i Fuss höher als das Vorfluther E D. In den Griessäulen EF ist gewöhn-lich noch eine Wachtthüre angebracht, die sich bei der Bewegung des Rades nachaussen öffnet, bei seinem Stillstände aber wieder schliesst, und auf diese Art das Zurück-fliessen des gehobenen Wassers verhindert.
Es gibt auch noch geneigte Wasser wurfräder, deren Radwelle mit dem Ho-rizonte einen Winkel von beiläufig 60 Grad bildet; die Schaufeln sind dann auf ähnlicheArt wie die Kämme bei einem Kammrade gestellt, doch sind diese Räder weniger imGebrauche.
§. 133 .
Die Berechnung eines jeden Schöpfrades kann auf nachstehende Artvorgenommen werden. Es sey Fig. 9, Tab. 83 die geometrische Darstellung eines Schöpf- I’i^.rades und AB CD der Durchschnitt des Kastens, welcher aus dem Wasser heraustritt,oder wobei die Kante I) mit dem Wasserspiegel zusammenfällt. Der Inhalt des Wassers
AD. AE.d
in diesem Kasten ist = (A B C D — AED)d = a.b.d ---, wo A D = a die
Breite, DC = b die Höhe und d die Tiefe des Kastens, alles im Lichten gemessen,bezeichnet. Da sich der Kasten ABCD, wie er aus dem Wasser tritt, in eine immersteilere Lage stellt, folglich das einmal geschöpfte Wasser immer beibehält, so wirdauch der obere Kasten abcd, dessen Kante mit dem Wasserspiegel ae zusammenfällt,eben so viel Wasser enthalten. Der Wasserinhalt dieses Kastens ist aber =
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