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Bewässerung in der Lombardie.
Bedarf bei weitem nicht hinreichen, es ist nicht die unbedeutende Anzahl der Bergwerke,es ist keineswegs die Fruchtbarkeit des natürlichen Bodens , die ganz und gar nicht mitjener von Egypten verglichen werden kann, sondern es ist blogg die ausserordentliche,durch Bewäs serung in den niedrigem Gegenden unterstützte Kultur des Bodens,dann auch Seidenerzeugung in den hohem, oder nicht bewässerten Gwgenden, welchediese Erscheinungen hervorbringt, die kein zweites Land der Erde aufzuweisen hat. Manfindet hier nicht einzelne Grundstücke, oder die Wiesen einzelner Gemeinden bewägsert,sondern die Felder und Wiesen ganzer Distrikte und Provinzen, welche durchdie Bewässerung auf den höchsten Grad der Fruchtbarkeit gebracht wurden, und geradezu jener Zeit, in den heissen Sommertagen, das Schauspiel der üppigsten Vegetaziondarbieten, wo die Fluren in andern Gegenden und Ländern von den brennenden Sonnen-strahlen verheert erscheinen. Der Reisende erstaunt mit Recht, wenn er die unberechenbareZahl der Wasserleitungen und Kanäle bemerkt, die das Land in allen Richtungen durch-schneiden, wenn er solcher Leitungen häufig drei, vier oder mehr, jedoch in verschiede-nen Höhen neben einander fortlaufen und ihr Wasser in unzähligen Verzweigungen aufjene Felder und Wiesen vertheilen sieht, welche desshalb die üppiggten und ergiebigstensind , die man in der Welt sehen kann.
Unstreitig trägt dag Klima zu dieser hohen KulturstufFe sehr viel bei, allein das-selbe ist auch in den übrigen italienischen Staaten , im südlichen Frankreich , in Spa nien und Portugall vorhanden , wo jedoch die Kultur noch sehr weit zurückblieb. OhneUnterstützung der Lombardischen Bewässerung, ohne jenem Systeme von Kanälen undWasserleitungen, die seit beinahe tausend Jahren immer mehr und mehr ver-vollkommnet und endlich zu dem gegenwärtigen ausgedehnten Umfange und Vollendunggebracht wurden , w'äre die Kultur in diesen Gegenden bei weitem nicht in jener glän-zenden Lage, wie wir sie wirklich vorfinden. Es dürfte daher bei der ausserordentlichenWichtigkeit solcher Anstalten für den Wohlstand eines jeden Landeg ganz zweckmässigseyn , wenn wir in eine nähere Beschreibung des Lombardischen Bewässerungssystemshier eingehen. Wir wollen hierbei dasjenige unterscheiden, was die Natur gethan, undjenes, was durch die beigpielloge Beharrlichkeit und Thätigkeit der Be-wohner bewirkt wurde.
§. 141 .
Oberitalien , gegenwärtig das Lombardisch - Venezianische Königreich, liegt an dersüdlichen Seite am Fusse der Schweizer - und Tyroleralpen. Die Wässer, welche vonden letztem herabströmen, ergiessen sich in mehrere am Fusse der Alpen etwas höherals das flache Land liegende Seen ( Laghi ) , in welchen die wildherabstürzenden Wässerihre Gewalt brechen, den Schotter und die Steine, welche sie mitführen, absetzen, und dannerst mit einem sanften Gefälle die weite Ebene bis Zum Po durchschneiden. l)a heftigeRegen oder Wblkenbrüche gewöhnlich nur in einer oder der andern Gebirgsgegend Stattfinden, demnach auch nur der eine oder andere Gebirgsbach anschwillt, so macht diessauf den Wasserspiegel in den Seen einen gehr geringen Einfluss, indem die meisten der-selben , wie der Lago maggiore , Lago di Como und Lago di Garda einen Flächen-raum von mehreren deutschen Quadratmeilen bedecken. Die andern drei Seen Lago di Lugano , Lago d’lseo und Lago d’Idro sind kleiner. Die Erhaltung des beständigen