Geschichte der Lombardischen Bewässerung.
205
den Betrag für dasselbe zu entrichten; überdiess wurde in jenem Edikte angeordnet, ,,d a s salle Mündungen, wodurch man das Wasser ableitet, in Ueberein-Stimmung mit den Mailänder Statuten eingerichtet seyen, und dem-nach alle jene geschlossen werden sollen, die früher eigenmächtigeröffnet wurden.”
Die beständigen, bedeutenden Vortheile, welche man aus den bewässerten Gfund-stücken zog, machten es nothwendig, die Menge der Wässer zu vermehren, und da derTicino allein hiezu nicht hinreichte, so wurde beschlossen , zu diesem Zwecke noch dasWasser des Adda zuzuleiten. Der Herzog Franz I. Sforza verordnte im Jahre 1457,oder nach andern im Jahre 1460, dass die Wässer jenes Flusses in einem Kanäle (späterNaviglio di Martesana genannt) bis zu den Thoren von Mailand geführt werden sollen.Der vorzügliche Zweck des Herzogs war nicht die Schiffahrt, sondern die Vermehrungder Mittel zur Bewässerung der Grundstücke, indem, wie Frist behauptet, der Kanalbloss während 2 Tagen in der Woche für die Schiffahrt, während der übrigen Zeit aberzur Bewässerung benützt wurde.
Nach dieser Epoche wurde der Naviglio di Pavia angelegt, seine Ausführung wurdenämlich durch ein Dekret Philipp’s II., Königs von Spanien im Jahre 1598 angeordnet, undim Jahre 1601 unter dem Governatore Grafen Fuentes begonnen. Später wurde der Ka-nal unter der österreichischen und französischen Regierung fortgesetzt, jedoch erst imJahre 1826 bei Pavia mit dem Ticino , der sich etwas weiter in den Po ergiesst, verbun-den. Diese Verbindung geschah mittelst 5 Schleussen, die zunächst der Stadt Pavia an-einander hängend gebaut wurden, und zu den schönsten Bauten der neuern Zeit gehören,die man in Italien sehen kann. Dasselbe lässt sich überhaupt von dem ganzen Kanäle be-haupten ; seine Wände und Boden von 10^7 Meter Breite sind beinahe in seiner ganzenLänge von 5 deutschenMeilen aufgemauert; Corrieri oder Schiffe mit Reisenden und grosseFrachtschiffe befahren ihn. Dieser Kanal stellt eine höchst zweckmässige Verbindungzwischen Mailand und dem adriatischen Meere her; weil aber die Schiffahrt über Mai-land durch den Naviglio grande, den Ticino und Lago maggiore bis an die Sardinischeund Schweitzer Gränze fortgesetzt wird, so sind auch diese zwei Länder mit dem Adriati-schen Meere hiedurch in eine Wasserverbindung gesetzt worden. Die andern Lombardi-schen Kanäle, w'elche mit jenem von Pavia verbunden sind, gewähren auch dem Innerndes Landes eine 'S erbindung mit dem Adriatischen Meere. Inzwischen dauerte der Baudieses merkwürdigen Kanals, wie gesagt, gegen 230 Jahre.
Auch die andern Navigli sind mit sehr grosser Kunst angelegt. Dar Naviglio diMartesana, welcher sein Wasser aus dem Flusse Adda bei Padcrno zieht, ist auf grossenStrecken ganz in Felsen gehauen ; eben so sind mehrere seiner Schleussen in Felsen aus-gearbeitet, und er läuft von steinernen Mauern eingeschlossen eine bedeutende Strecke weitentlängs dem Flussbette des Adda an dem höher gelegenen Ufer fort. Die 6 Schleussennächst Paderno haben einen Fall von 27,7 metres. Zu Gorgonzola wird dieser Kanal aufeiner steinernen Brücke von 3 Bogen über den Lambro geführt, wogegen der letztere Flussbei Crescenzago in den Kanal eintritt, und ihn später wieder verlässt. Das überflüssigeWasser wird daselbst mittelst 19 scaricatori (Ablässen) in den Lambro zurückgefiihrt.
Die ältern Navigli waren blosse Gräben ohne Schleussen (Conche~), welche erst im Jahre1481 am Naviglio di Brenta zwischen Venedig und Padua angebracht wurden. Im Mai-