Buch 
3 (1834) Beschreibung und Berechnung grösserer Maschinenanlagen, vorzüglich jener, welche bey dem Bau- Berg- und Hüttenwesen vorkommen / von Franz Anton Ritter von Gerstner
Entstehung
Seite
269
JPEG-Download
 

269

Hohe und niedrige Knnslsälze.

Liederangen Vorkommen, als bei dem einzelnen hohen Satze; es wird also die erste Bei-schaffung der drei Kunstsätze und die fortwährende Unterhaltung der Liederung weitkostspieliger sepi, als bei dem einzelnen hohen Satze. Ueberdiess ist die Reibung dreierKolben , wenn die darauf liegende Wassersäule auch nur/ 3 tel der Höhe wie bei einemhohen Satze beträgt, doch immer grösser, als bei einem einzelnen Kolben, der mitder ganzen ^Vassersäule gedrückt wird. Hohe Sätze verursachen also sowohl bei ihrerersten Anschaffung und Unterhaltung keinen so grossen Aufwand , wie auch für ihrenBetrieb im Durchschnitte ein geringerer Kraftaufwand erfordert wird. Dagegen springendie Aufsatzröhren bei den hohen Sätzen weit leichter, als beiden niedern. Wenn überdiessin verschiedenen Strecken Wasser zusitzt, so müsste dasselbe in die Tiefe zu dem Wasser-kasten herabgelassen und dann wieder mit dem übrigen Wasser gehoben werden; es fändealso ein unnützer Kraftaufwand Statt, was bei niedrigen Sätzen nicht eintreten kann.

In einem solchen Falle, wo Wässer auf verschiedenen Höhen zusitzen, müssen dieKolbenrÖhien der untern Sätze enger, die obern aber nach Verhältnis weiter gemachtwerden. Auch die Wasserkästen müssen dem zufliessenden Wasserquantum angemessen,und lieber tief als weit seyn, damit das Saugrohr immer tief genug im Wasser stehe.Wird diess nicht beobachtet, so dringt die Luft mit dem Wasser in das Saugrohr, wel-ches man an dem Schnarchen des Satzes erkennt; zum Herausschaffen der Luft pflegtman dann Wasser in den Satz auf den Kolben zu giessen.

Lässt ein Satz das gehobene Wasser wieder zurückfallen, so liegt die Schuld andem Säugventile, welches entweder nicht gut schliesst oder nicht schnell genug zufällt. Wirdaber mit dem Satze nicht genug Wasser gehoben, so ist diess ein Zeichen, dass die Lie-derung des Kolbens nicht mehr genau schliesst. In beiden Fällen wird der Wasserkasten,worin ein solcher Satz steht, bald übergehen und das Wasser ablaufen; es muss also so-gleich dem vorhandenen Gebrechen abgeholfen werden. Bei niedern Sätzen wird derKolben, wenn seine Liederung schadhaft ist, mit der Kolbenstange herausgezogen undein frisch geliederter Kolben angeschraubt, der dann mit Hülfe der herabgehendenSchachtstange wieder in das Kolbenrohr hineingestossen wird. Bei hohen Sätzen wirddas Saugrohr herausgenommen, der Kolben durch die untere Oeffnung des Kolbenrohrsdurchgestossen, abgeschraubt, ein frischgeliederter Kolben angeschraubt und mit Hülfeder in die Höhe gehenden Schachtstange wieder in das Kolbenrohr gezogen. Das Säug-ventil wird auf diese Weise auch reparirt oder nöthigenfalls neu ersetzt, und sodann dasSaugrohr wieder an das Kolbenrohr befestigt.

§. 194 .

Die S ch acht s t a n g e n reichen durch den ganzen Schacht bis zu dem tiefstenSatze; an sie werden die Zugstangen oder Kolbenstangen für jeden einzelnen Satzgehängt. Die Schachtstangen bestehen gewöhnlich aus 3 bis 4 Klafter langen, 4 Zolldicken und 5 Zoll breiten Stangen von Tannenholz, die an ihren Enden mit zahnförmigenEinschnitten genau zusammengeschiftet und daselbst mit eisernen Ringen gut verbundenwerden. Eine solche Zusammenschiftung wird ein Schloss genannt. Das SchachtgeBtän-ge muss fortwährend in gleicher Richtung auf- und niederspielen, zu welchem Zweckean mehreren Orten in dem Schachte Spreitzen angebracht und Walzen oder Spulen ein-