Von dsn Seidenniamlfactmcn. 157
Einwand einigen Schein, weil man aus der natürli-chen Geschichte nicht läugnen kann, daß der Himmels-strich in die Beschaffenheit der Blätter und Früchteallerdings seinen Einstuß hat, und daß einerley Baumin warmem Gegenden viel bessere und wohlschmecken-dere Früchte bringt, als m kältern: Allein dieser Ein-wand wird aller seiner Starke beraubt, wenn wir ausder Erfahrung zeigen können, daß die Seidenwürmer,die in Teutschland ernähret worden sind, ein eben sogutes und reichliches Gespinnst gemacht haben, als inItalien und andern warmem Ländern. Ich will michnur auf die Erfahrungen in Halle, Berlin und andernnördlichen Gegenden von Tcutschland berufen. Wenndaselbst die Würmer wohl abgewartet worden sind, sohat man daselbst eben so viel Cocons auö einer UnzeSaamen erzeuget, als, wie wir wissen, in Italienund Frankreich davon gewonnen werden: und acht biszehn Pfund Cocons haben daselbst eben sowohl einPfund reine Seide gegeben, als man in Frankreich undWelschland davon erhält. Dieses beweiset also genug-sam, daß die Maulbecrblättcr bey uns nicht schlechterund undienlicher sind, als in wärmern Landern.
Eben so wenig haben wir zu befürchten, daß dieSeidenwürmer in kalten Gegenden nicht wohl gedeihen.Ueberhaupt ist leicht einzusehen, daß, wenn die Fütte-rung vor diese Würmer einmal zu haben ist, die strengeWinkerkälte eines Landes dabey keine Hinderniß machenkann. Diese Würmer leben überhaupt nur höchstensneun bis zehn Wochen; Und so lange hat wohl jedes
Land
Die Sei-denwür-mer gedei-hen eben sogut in käl-tern Läwdem.