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VORRKDI',.
man auch nur sieht, was die Vorgänger schon gesehen haben, und Mancher,der diese Uebungen nicht vorsichtig genug anstellt, schon dann genülhigt ist,eine sorgfältige Schonung seiner Augen eintreten zu lassen. Dazu kommt,dass gerade hier, wo psychische Processe eingreifen, auch der Spielraum derindividuellen Abweichungen viel grösser zu sein scheint, als in anderen Gebietender Physiologie.
Dennoch musste am Ende der Versuch gemacht werden, Ordnung und Zu-sammenhang in dieses Gebiet hineinzubringen und es von den auffälligenWidersprüchen zu befreien, die sich bis jetzt durch dasselbe hinzogen. Ichhabe dies gethan in der Ueberzeugung, dass Ordnung und Zusammenhang,selbst wenn sie auf ein unhaltbares Princip gegründet sein sollten, besser sindals Widersprüche und Zusammenhanglosigkeit. Ich habe deshalb das Principder empiristischen Theorie, wie ich es im 26. und 33. Paragraphen aus-einandergesetzt habe, und von dem ich mich immer mehr überzeugt habe, jelänger ich arbeitete, dass es das einzige ist, welches ohne Widersprüche durchdas Labyrinth der gegenwärtig bekannten Thatsachen hindurchführt, zum Leit-faden genommen. Es sind mir auf diesem Wege schon andere Forscher voran-gegangen, deren Arbeiten, vielleicht wegen einer der materialistischen Neigungder Zeit entsprechenden Vorliebe zu unmittelbar mechanischen Erklärungen, imGanzen nicht den Beifall gefunden haben, den sie wohl verdient hätten. DerGrund davon kann darin gelegen haben, dass diese meine Vorgänger immernur einzelne Kapitel der Lehre von den Gesichtswahrnehmungen bearbeitethaben, und hier eigentlich nur der Zusammenhang des Ganzen der Ansicht, inwelcher er gewonnen wird, überzeugende Kraft verschaffen kann. Ich habemich deshalb bemüht, diesen Zusammenhang vollständig zu entwickeln.
Den Uebelständen, welche durch die Verzögerung der Herausgabe desGanzen für die ersten beiden Abtheilungen entstanden sind, habe ich dadurchabzuhelfen gesucht, dass ich in einem Nachtrage die neuere Literatur zusammen-gestellt und kurz wenigstens die wichtigsten der seit Herausgabe jener Abthei-lungen neu gefundenen Thatsachen besprochen habe. Glücklicher Weise befindetsich unter diesen keine, welche eine wesentliche Veränderung der aufgestelltenSchlüsse und Ansichten bedingt hätte.