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9 (1867) Handbuch der physiologischen Optik / H. Helmholtz
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FORMEN DES SEHORGANS IM ALLGEMEINEN.

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§ i-

trennt. Ich gebe hier die Abbildung einer An-zahl solcher Kegel aus dein Auge eines Nacht-selnnetterlings nach Jon. Müller * *. Es sindmit a die Facetten der Hornhaut bezeichnet,mit b die durchsichtigen Kegel, mit c dieSehnervenfasern, mit d das Pigment zwischenihnen.

Wenn zu jedem Kegel sich nur eine Nerven-faser begiebt, würde das Gesichtsfeld nur in soviel Theile zerfallen, als Kegel da sind. Doch hat Gottsche 2 neuerdings nach-gewiesen, dass an den inneren Enden der Kegel ein optisches Bild der vor demAuge liegenden Gegenstände entworfen wird, so dass auch in jedem Kegel nocheine Sonderung einzelner Eindrücke stattfinden könnte, wenn mehrere empfindendeNervenelemente da wären. Sollte in jedem Kegel nur ein solches vorhanden sein,so würde die Brechung des Lichts doch dadurch noch nützlich sein, dass dasder Axe des Kegels parallel einfallende Licht auf das Ende der Nervenfaser con-centrirt und das von anderen benachbarten Punkten des Gesichtsfeldes kommendebesser davon abgehalten wird, als es die Scheidewände allein thun würden.

Vom Auge des Menschen habe ich in Fig. I. Taf. I. einen horizontalen Quer-durchschnitt abgebildct in fünfmaliger Vergrösserung; das Auge der Wirbelthiereist dem menschlichen im Wesentlichen ähnlich gebaut. Diese Augen schlicsscnfolgende durchsichtige Theile ein:

1) die wässrige Feuchtigkeit in der vorderen Augenkammer Ti.

2) die Krystallinse A.

3) den Glaskörper C.

Umschlossen sind diese Theile von drei in einander liegenden Systemen vonHäuten.

Ij System der Netzhaut i und Zonula Zinnii e, schliesst zunächst denGlaskörper ein und heftet sich vorn an die Linse A.

2) System der Uvea, besteht aus der durch einen stärkeren schwarzenStrich angedeuteten Aderhaut ( Chot'ioidea ) g, dem Ciliarkörper h und derRegenbogenhaut (TWs) b. Es umschliesst das vorige System mit der Linseund hat nur an der vorderen Seite vor der Linse eine Oeffnung, die Pupille.

31 Die feste Kapsel des Augapfels, welche in ihrem grösseren hinterenTheile aus der undurchsichtigen weissen Sehnenhaut ( Sclerotica ) und in demkleineren vorderen aus der durchsichtigen knorpeligen Hornhaut ( Cornea ) ge-bildet wird. Am lebenden Auge sieht man zwischen den Augcnliedern den vorderenTheil der Selmenhaut (das Weisse) und hinter der durchsichtigen und hervor-springenden Hornhaut die braun- oder blaugefärbte ringförmige Iris, in derenMitte die Pupille.

Eine Linie, welche durch den Mittelpunkt der Hornhaut und durch den Mittel-punkt des ganzen Auges geht, nennt man die Axe des Auges, weil das Auge

a

1 Zur vergleichenden Physiologie des Gesichtssinnes. Leipzig 1826. S. 349. Taf. VH. Fig. 5.

* J. Müllers Archiv für Anat. u. Physiol. 1852. S. 483.

I