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9 (1867) Handbuch der physiologischen Optik / H. Helmholtz
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Seite
16
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ANATOMISCHE BESCHREIBEN« DES AUCES.

§. 3.

Auge gegenüberliegenden Rande der Oeffnung eine dunkle Linie sich zwischen die Spiegel-bilder und den Rand der Oedhung einschieben.

Die Flächen der Linse reflectiren ebenfalls Licht, aber sehr wenig. Man siebt dieseReflexe wenn sich das Auge in einem dunklen Zimmer befindet, in welchem nur ein Liebtenthalten ist. Alan stellt das Licht vor dem Auge, etwas seitlich von der nach vorn verlän-gerten Augenaxe, auf. Der Beobachter sieht von der anderen Seite her in das Auge, so dassseine Gesichtslinie etwa denselben Winkel mit der Augenaxe macht, wie das einfallende Licht.Neben dem bekannten hellen Reflexe der Hornhaut sieht er dann zwei andere sehr vielschwächere. Der grössere von beiden bildet ein aufrechtes, ziemlich verwaschenes Bild derFlamme und rührt von der vorderen Linsenfläche her, der kleinere bildet ein schärferes um-gekehrtes Bildchen und wird von der hinteren Linsenflächc entworfen. Von den Augenärztenwerden, diese Reflexe die Sansok' sehen Bildchen genannt. Wenn man die Stellung desLichts oder des eigenen Auges verändert, während man sie beobachtet, verändert sich auchdie Stellung der Bildchen, und so gelingt cs leicht, das erstgenannte derselben, das der vorderenLinsenfläche, bis an jede beliebige Stelle des Randes der Pupille zu führen. Alan sieht esdann stets, auch an dem dem Beobachter gegenüberliegenden Rande der Pupille, bis dicht andie Iris rücken, ohne zwischenliegende schwarze Linie. Wenigstens ist dies unter normalenUmständen ohne künstliche Erweiterung der Pupille, so viel ich gefunden habe, stets der Fall,und daraus folgt mit Bestimmtheit, dass der Pupillarrand der Iris der Linse anliege.

Die Entfernung der Pupillenfläche von dem Scheitel der Hornhaut ist von C. Krause andurchschnittenen Augen gemessen worden. Indessen ist die Verbindung der Linse mit derSclerotica durch die Ciliarfortsätze keine so straffe, dass nicht nach der Durchschncidung be-trächtliche Verschiebungen eintreten sollten.

Davon, dass die Pupillarfläche hinter einer durch den äusseren Rand der Hornhaut ge-legten Ebene liegt, kann man sich am lebenden Auge überzeugen, wenn man es so von derSeite ansieht, dass die Pupille hinter dem Rande der Sclerotica zu verschwinden beginnt.

Alan sieht alsdann, wie in Fig.C, perspectivisch vor der Pupille einenhelleren Streifen, ein verzogenes Bild der Iris, und vor diesem amRande der Hornhaut einen dunkleren Streifen, den jenseitigen überdie Hornhaut greifenden Rand der Sehnenhaut. Bewegt der Beobachtersein Auge noch weiter zurück, so verschwindet ihm die Pupille undIris ganz, und hinter dem noch sichtbaren Theile der Hornhaut er-scheint nur noch der jenseitige Scleroticalrand. Da die Lichtstrahlen,welche einmal durch die Hornhaut in die wässrige Feuchtigkeit ein-getreten sind, geradlinig durch diese fortgehen, so folgt daraus, dassdie Iris weiter zurück liegt als eine die äusseren Ränder der Horn-haut verbindende Linie.

Fig. 6.

Kennt man den Krümmungsradius im Scheitel der Hornhaut, so kann man die Distanzder Pupillenfläche vom Scheitel der Hornhaut am lebenden Auge ziemlich genau bestimmen,

indem man die scheinbare Lage der Iris im Ver-hältniss zur scheinbaren Lage eines von der Horn-haut gespiegelten Lichtpunktes bestimmt. DasSpiegelbild eines entfernten Lichtpunktes liegt einwenig hinter der Fläche der Pupille, wovon mansich leicht überzeugen kann, wenn man von ver-schiedenen Seiten das Auge ansieht, und die per-spectivische Lage des Lichtspunktes zu den Rän-dern der Pupille sich merkt.

Ist ab die Pupille, c der scheinbare Ortdes gespiegelten Lichtpunktes, sind d c und f c

e

Fig. 7.

1 Entdeckt von Purkinje. S. dessen Abhandlung: De examine physiologico organi visus et syst, culanei.Vratisl. 1823. Zur Diagnose von Krankheiten benutzt von Sanson (Lccons sur les maladies des yeux. Paris . 1837).Ihr Ursprung ist genauer bestimmt durch II. Meyer (Henles und Pfeufer's Zeitschrift 18i0. Bd. V.).