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9 (1867) Handbuch der physiologischen Optik / H. Helmholtz
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ERSTER ABSCHNITT. DIE ÜIOI'TRIK DES AUGES.

§. 16.

Beobachter zum Durchseheu dient. Was jetzt im Gesichtsfelde erleuchtet ist, ist der Kreis,den der Beobachter von der Netzhaut übersehen kann.

Im empfehle diesen Weg, um bei den verschiedenen Combinationen ebener und gekrümmterSpiegel, convexer und concaver Linsen in den Augenspiegeln sich die Wirkungen klar zumachen, ohne dass man sich auf verwickelte geometrische Constructionen cinzulassen braucht,die den Ungeübten leicht mehr verwirren als aufklüren.

2) Was die Wirkung der in diesem Paragraphen beschriebenen Beleuchtungsweiscn be-trifft, so ordnet sich deren Wirkung leicht unter die hier aufgestellte Regel. Man erinneresich daran, dass, wie die tägliche Erfahrung lehrt und eine einfache Construction des Ganges der Lichtstrahlen bestätigt, das Zerstreuungsbild eines fernen Gegenstandes nicht das scharfeBild eines deutlich gesehenen näheren Gegenstandes bedecken kann, wohl aber das Zerstreuungs-bild eines näheren Gegenstandes das scharfe Bild eines ferneren. Bei dem Versuche mit demdurchbohrten Spiegel bedeckt das Zerstreuungsbild der Oeflnung, durch welche der Beobachterblickt und welche sich möglichst nahe vor dem beobachteten Auge befinden muss, das ent-ferntere, vielleicht deutlich gesehene Bild der Lichtflamme. Wenn man keinen Spiegel an-wendet, sondern der Beobachter dicht an der Flamme vorbei nach dem beobachteten Augesieht, erscheinen diesem Auge die Flamme und das Auge des Beobachters nahe neben einander,und sobald das beobachtete Auge nicht scharf für sie accommodirt ist, fliessen ihre Zer-streuungskreise in einander. Bei der Beleuchtung mit einer unbelegten Glasplatte können beideBilder scharf sein, sowohl das des Lichts, wie das der Pupille des Beobachters. Erstereswird von der Platte gespiegelt, letzteres durch die Platte gesehen, so dass beide auf einanderfallen. Der Beobachtete kann deshalb selbst am leichtesten die Glasplatte so stellen, dass demBeobachter sein Auge leuchtend erscheint. Er muss nur darauf achten, dass ihm das Augedes Beobachters von dem Spiegclbilde der Flamme gedeckt erscheine.

Ein solches Reciprocitätsgcsetz, wie wir es eben dafür aufgestellt haben, dassüberhaupt Licht von einem leuchtenden zu einem zu beleuchtenden Punkte hin undher gehe, lässt sich auch für die Quantität des hin und zurück gelangenden Lichtsaufstellen. Wir erinnern in dieser Beziehung zunächst an folgendes

Allgemeines Gesetz der Beleuchtung.

Wenn sich in einem durchsichtigen Medium zwei verschwindend kleine Flächen-elemente von der Grösse a und b in der gegenseitigen Entfernung r befinden, ihreNormalen mit der sie verbindenden geraden Linie beziehlich die Winkel a und ßbilden, und a mit der Helligkeit H Licht aussendet, so ist die Lichtmenge L , welchevon a auf b fällt

T H ab cos a cos ß' ^2

Ebenso gross ist auch die Lichtmenge, welche von b auf a fallen würde, wenn bmit der Helligkeit II Licht aussendete.

Satz III.

In einem centrirten Systeme von brechenden Kugelflächen sei das Breehungs-

verhältniss des ersten, ?i 2 das des letzten brechenden Mittels. In dem ersten

befinde sieb senkrecht gegen die Axe des Systems gerichtet und der Axe naheein Flächenelement a, in dem letzten ein eben solches ß. Wenn a die Hellig-keit n 1 2 II hat, und ß die Helligkeit « 2 2 H, so fällt ebenso viel Lichtvon a auf ß, wie von ß auf a.

Um den Beweis nicht complicirtcr zu machen, als unsere beabsichtigten An-wendungen verlangen, vernachlässigen wir dabei die Schwächungen, welche dieStrahlen an den brechenden Flächen durch Reflexion erleiden, und nehmen an, dassdie Einfallswinkel der Strahlen an den brechenden Flächen immer klein genug sind.