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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICIITSEMPFINDUNGEN.
§. a.
Nebelstreifen nennt. Purkinje besehreibt sie als „breite mehr oder wenigergekrümmte Blinder mit zwischenliegenden schwarzen Intervallen, die entwederals concentrische Kreise gegen den Mittelpunkt des Sehfeldes sich bewegen, unddort sich verlieren, oder als wandelnde Bögen an ihm sieh brechen, oder alskrumme Radien um ihn im Kreise sich bewegen. Ihre Bewegung ist langsam,so dass es gewöhnlich acht Secundcn braucht, bis ein solches Band den Wegvollendet und völlig verschwunden ist“. Ich selbst sehe sie meist wie zweiSysteme kreisförmiger Wellen, die langsam gegen ihre Mittelpunkte zu beidenSeiten des Gesichtspunktes zusammenlaufen. Die Lage der Mittelpunkte schienmir den Eintrittsstellen der beiden Sehnerven zu entsprechen; die Bewegungfallt mit der der Respirationsbewegungen zusammen. Purkinje hatte einschwächeres Auge und sah nur mit dem rechten Auge ein solches System vonNebelstreifen. Uebrigens wird auch der Grund des Gesichtsfeldes, auf dem sichdiese Erscheinungen entwerfen, nie ganz dunkel, man sieht im Gcgentheile ab-wechselnde Verfinsterungen und Aufhellungen des Grundes, die oft mit denAthemzügen in gleichem Rhythmus geschehen (J. Müller 1 2 , ich seihst). Sobringt auch jede Bewegung der Augen oder Augenlider, jede Veränderung derAeconnnodation Veränderungen des Lichtstaubes hervor. Auffallend sind dieseGestalten besonders, wenn man in einem unbekannten ganz dunkeln Raume, z. B.in einem dunkeln Treppenllur, den Weg tappend sucht, weil sie sich dann andie Stelle der wirklichen Objecte stellen. Dabei bemerkt Purkinje, dass jedeunvermuthete Berührung, jede unsichere Bewegung momentane Oscillationen desAuges hervorruft, die von zarten Lichtwölkchen und anderen Liehtgobilden be-gleitet sind, welche Veranlassung zu manchen Gespenstergeschichten gegebenhaben mögen.
Nach körperlicher Anstrengung und Erhitzung sah Purkinje 2 im dunkelnGesichtsfelde ein mattes Licht wallen und flackern, wie die auf einer horizon-talen Fläche verlöschende Flamme von ausgegossenem Weingeiste. Bei schärfererBetrachtung sah er darin unzählige, äusserst kleine lichte Pünktchen, die sichlebhaft durch einander bewegen, und lichte Spuren ihrer Bewegung hinter sichlassen. Eine ähnliche Erscheinung trat ein, wenn er bei geschlossenem rechtenAuge das schwache linke zum Sehen anstrengte.
Wichtig ist noch die Erfahrung, dass auch hei Leuten, deren Auge durchOperation entfernt, oder deren Sehnerven und Augen desorganisirt und functions-unfähig geworden waren, subjcctive Lichterscheinungen vorgekommen sind 3 .Aus diesen Erfahrungen geht hervor, dass nicht blos die Netzhaut, sondernauch der Stamm oder die Wurzeln des Sehnerven im Gehirn fähig sind, inFolge von Reizungen, Lichtempfindung zu erzeugen.
Endlich sind die elektrischen Ströme ein mächtiges Mittel, den Seh-nervenapparat, wie die übrigen Nerven zu erregen. Während in der Regel diemotorischen Nerven nur in den Augenblicken Zuckung bewirken, wo die Stärke