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9 (1867) Handbuch der physiologischen Optik / H. Helmholtz
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ZWEITER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN (j ESI CII TSE M P EIN DUNG EN.

§. tS.

Gefässwindungen im Innern <lor Nervensubstanz erkannt werden sollen, mussLieht bis zu ihnen Eindringen und von ihnen ans wieder bis zmn Auge desBeobachters gelangen können. Es ist also kein Ilinderniss fiir das in das Augefallende Licht vorhanden, bis zu einer gewissen Tiefe in die Sehnervensuhstanzeinzudringen. Aber dieses Lieht, was auf die Eintrittsstelle des Seh-nerven fällt, wird nicht empfunden

Fig. 100.

Man scldiesse das linke Auge und fixire mit dem rechten das weisseKreuzchen in FtV/. 100. alsdann bringe man das Buch bei der gewöhnlichenhorizontalen Richtung der Zeilen in eine Entfernung von etwa einem Euss vomAuge, so wird man linden, dass es hier eine gewisse Stellung giebt. wo derweisse Kreis gänzlich verschwindet und der schwarze Grund ohne Lücke er-scheint. Damit der Versuch gelinge, achte man aber sorgfältig darauf, dassman den Blick fest auf das Krcuzchcn hefte und nicht seitwärts blicke. Nähertman das Buch mehr oder entfernt es weiter, so kommt der weisse Kreis wiederzum Vorschein, und wird im indirecten Sehen deutlich wahrgenonnnen; ebensowenn man das Buch schief hält, so dass der weisse Kreis etwas höher odertiefer zu stehen kommt. Wie der weisse Kreis verschwinden alle anderenGegenstände, weisse, schwarze, farbige, welche nicht grösser sind als derKreis, wenn man sie auf denselben legt, und wie vorher verfährt, Alan er-kennt daraus, dass es im Gesichtsfelde eines jeden einzelnen Auges eine Stellegiebt, in welcher nichts erkannt wird, und dass es also in der Fläche der Netz-haut eine entsprechende Stelle giebt, welche die auf sie fallenden Bilder nichtwahrnimmt. Alan nennt diese Stelle den blinden Fleck. Da die blinde Stelleim Gesichtsfelde des rechten Auges nach rechts vom Fixationspunktc, in demdes linken Auges links davon liegt, so muss der blinde Fleck der Netzhaut vomgelben Fleck aus nach der Nasenseite herüber liegen, in welcher Gegend sichdie Eintrittsstelle des Sehnerven betindet.

Dass der blinde Fleck wirklich mit der Eintrittsstelle des Sehnerven identischsei, hatte man schon früher durch Messung seiner scheinbaren Grösse undseines scheinbaren Abstandes vom Fixationspunkte des Auges nachgewiesen.Einen noch directeren Beweis hat Doxdkrs 1 mittels seines Augenspiegels ge-geben. Er warf mit diesem Instrumente das Licht einer kleinen entfernt stehen-den Flamme in das Auge des Beobachteten, und liess dieses so wenden, dass

1 Omlerzoekingcn gedaan in li(*t Physiol. I.abor. d. l'treclit.sclu* Noogescliool. VI. IHi.