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9 (1867) Handbuch der physiologischen Optik / H. Helmholtz
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211
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§. 18 .

BLINDI'.R l'Ll'CK.

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das Flammenbildchen auf die Eintrittsstelle dts Sehnerven lief Auf dieserStelle ist das Flannnenbildchen nicht scharf gezeichnet, und es wird gleichzeitigdie ganze Eintrittsfläche des Sehnerven, obgleich .mindestens 20 Mal grösser alsdas Flaminenbildchen, ziemlich erleuchtet, was sich aus der durchscheinendenBeschaffenheit der Norvenmassc erklärt. Auf der Netzhaut seihst neben deinEintritt des Sehnerven bemerkte er kaum eine Spur von Licht, was entwederin den durchsichtigen Mitteln des Auges zerstreut sein konnte, oder von derhell erleuchteten Fläche des Sehnerven seitlich reflec-tirt war. So lange dasLichtbiidchen ganz auf den Eintritt des Sehnerven liel, hatte der Beobachtetekeine Lichtemidindung. Einige meinten einen sehr schwachen Schimmer wahr-zunehmen, der wohl durch die erwähnte schwache Erleuchtung der Netzhautveranlasst sein mochte. Durch kleine Bewegungen des Spiegels konnte er dasLichtbiidchen von einer Seite nach der anderen über die Eintrittsstelle desSehnerven wandern lassen, und niemals trat Lichtwahrnehmung ein, ehe nicht einTheil der Flamme deutlich die Grenze überschritt, und so eine Stelle erreichte,wo die verschiedenen Schichten der Netzhaut schon vorhanden sind. Hierausfolgt, dass der blinde Fleck der ganzen Eintrittsstelle des Sehnerven, undnamentlich nicht etwa blos den eintretenden Gefässen entspricht.

Denselben Versuch hat später Coccius 1 an dem eigenen Auge des Beob-achters auszufiihren gelehrt, wodurch er noch belehrender wird. Man brauchtdazu einen durchbohrten Spiegel, plan oder convex, wie er in den Augen-spiegeln üblich ist, und hält diesen nahe vor das eigene Auge, während durchdie Oetlhung des Spiegels das Licht einer Lumpe in das Auge fällt. Richtetman zunächst das Auge gerade nach dem Rand der Oeffinmg hin, so gelingtes leicht, das umgekehrte rothe Flammenbildchen auf der Netzhaut des eigenenAuges zu sehen, und indem man dann das Auge mehr und mehr einwärtsdreht, während man das Flannnenbildchen festzuhalten sucht, gelingt es endlichdas Flannnenbild auf die Eintrittsstelle des Sehnerven zu bringen und die be-schriebenen Beobachtungen anzustellen. Für diesen Zweck ist es übrigensrathsam. die Flamme klein zu machen, oder weit zu entfernen, weil sonst diegrosse Monge Licht, die in das Auge dringt, hinderlich ist. Man sieht dabeiauch die Gefässstämme, hat aber natürlich immer nur ein sehr kleines Gesichts-feld. Nimmt man eine grössere Flammenfläche, so wird das Auge zu sehr ge-blendet, als dass man viel sehen könnte. Ist die Lichtmenge, welche auf dieEintrittsstelle des Sehnerven fällt, bedeutend, so nimmt das Auge allerdingseinen schwachen Lichtschein wahr, aber, wie wir aus diesen Versuchen schliessenmüssen, nur deshalb, weil ein Theil des Lichtes sich auf die anstossendenThcile der Netzhaut ausbreitet. Zuweilen entsteht auch bei solchen Versuchenein rother Lichtschimmer im Auge, wold wenn ein Gefässstamm auf der Seh-nervenfläche stark erleuchtet wird und Licht reflectirt. Dies beobachtetenA. Fick und P. du Bois Reymoxd, wenn sie das Sonnenbildehen einer Convex-linse als Object benutzten.

Die Form und scheinbare Grösse des blinden Flecks im eigenen Gesichtsfeldekann man leicht in folgender Weise bestimmen. Man gehe dem Auge 8 bis I i Zoll

* lieber (Ilaukoni, Knlzümlung uni! die Autopsie inil dem Augenspiegel. Leipzig 1$ö9. S. il) und ?>2.

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