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9 (1867) Handbuch der physiologischen Optik / H. Helmholtz
Entstehung
Seite
226
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ZWI'ITKR ABSCHNITT. III. ILIIRK MIN Dl IN G KSICH TSl'.M IITN DUN GEN.

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zwar ist es, nach der bisher beschriebenen Bcobachtungsweise entworfen, einsubjectives Spectrum, da es nur einem virtuellen Bilde der Lichtquelle ent-spricht. Man kann es aber auch zu einem reellen Bilde machen, indem manhinter das Prisma da, wo sich bisher das Auge des Beobachters befand, eineSammellinse, aufstellt, welche die durch das Prisma gebrochenen Lichtstrahlenzu einem reellen Bilde von rh in oder hinter ihrem Brennpunkte vereinigt. Soerhält man ein objectives Spectrum. Ein solches wird schon bei der erstenBeobachtungsweise auf der Netzhaut des Beobachters entworfen. Wenn das vonder Lichtquelle ausgehende Licht alle continuirlich in einander übergehendenGrade der Brechbarkeit darbietet, ist, wie wir gesehen haben, auch das Spectrumeine continuirlich beleuchtete Fläche. Wenn aber von der Lichtquelle nur Lichtvon bestimmten einzelnen Wertlien der Brechbarkeit ausgeht, so kann dasSpectrum auch nur so viele einzelne verschiedenfarbige Bilder der Lichtquelleenthalten, als Grade der Brechbarkeit unter den Strahlen Vorkommen, und manwird dann die Lichtquelle und ihre Bilder so schmal machen können, dass dasjeder Farbe angehörige Bild von seinen Nachbarn durch einen dunkeln Zwischen-raum getrennt ist, So haben wir vorher angenommen, dass nur rothes undblaues Licht in dem Lichte des Punktes a Fig. 106 vorkäme, unu gesehen, dassdann hei b ein blaues Bild, hei r ein rothes erscheint, beide durch den dunkelnZwischenraum br von einander getrennt. Dasselbe ist natürlich der Fall, wennnicht zwei, sondern zehn oder hundert oder tausend verschiedene Arten ein-fachen Lichtes in dem Lichte von a Vorkommen.

Von dieser Art ist die Zusammensetzung des Sonnenlichts. Wenn wir einmöglichst vollkommenes Spectrum des Sonnenlichts herstcllen, linden wir csvon einer grossen Zahl dunkler Linien gethcilt, den FRAUNiiOFERsehen Linien,aus deren Vorhandensein wir schliessen müssen, dass gewisse Stufen der Brech-barkeit unter den Strahlen des Sonnenlichts nicht Vorkommen. Je vollkommenerdie Trennung der Farben im Spectrum ist. desto grösser ist auch die Zahl derdunkeln Linien. Die stärksten von ihnen sind von Fraunhofer und von Stokesmit Buchstaben bezeichnet worden, weil sie ein ausserordentlich sicheres undbequemes Mittel abgeben, im Spectrum Strahlen von genau bestimmten Werthender Schwingungsdauer und Brechbarkeit immer wieder zu finden, und wirwerden uns deshalb im Folgenden auch dieser Bezeichnung bedienen, so oftes darauf ankommt. die Art einer Farbe genau zu bestimmen. Auf Tiif. F. Fig. 1ist das Sonneuspectrum mit seinen dunkeln Linien abgebildet. Da die einzelnenTlieile des Spectrums hei Prismen aus verschiedenen Stoffen verschiedenesLängenvcrhältniss haben, und wieder ein ganz anderes Verhältniss in den durchDiffraction erzeugten Spcctren, wo die Verthcilung der Farben nur von ihrerWellenlänge abhängt, so ist die Verthcilung der Farben in einer solchenZeichnung bis zu einem gewissen Grade willkührlich. In unserer Abbildung istdie Anordnung, wie es für die physiologischen Betrachtungen am wichtigstenschien, nach dem Principe der musikalischen Scale getroffen, so dass Farben,deren Wellenlängen sich zu einander verhalten wie die zweier um ein halbesTonintervall verschiedener Töne, überall gleich weit von einander entfernt sind.Mathematisch ausgedrückt, entsprechen also gleiche Distanzen in der Zeichnung