Buch 
9 (1867) Handbuch der physiologischen Optik / H. Helmholtz
Entstehung
Seite
227
JPEG-Download
 

§. Hl.

FARBKNNAMK.V

m

gleichen Unterschieden der Logarithmen der Schwingungsdauer. Die Zitternanf der einen Seite bezeichnen die Anzahl der halben Tonintervalle, die Buch-staben auf der anderen bezeichnen die Namen der stärkeren dunkeln Linien, wiesie von Fraunhofer und Stokes gewählt worden sind.

Da in der Benennung der verschiedenen Farben einige Unsicherheit herrscht,wollen wir fiir das vorliegende Werk folgendes darüber festsetzen:

Roth nenne ich die Farbe des weniger brechbaren Endes des Spectrum,welche von der äussersten Grenze desselben bis etwa zur Linie C keinemerkliche Armierung des Farbentons zeigt. Der Repräsentant unter den Farb-stoffen ist etwa der Zinnober. Von ilnn zu unterscheiden ist das Purpurroth,welches in seinen weisslicheren Abstufungen Rosenroth wird und dem reinenRoth gegenüber bläulich erscheint. Dieser Farbenton, für dessen gesättigtesteAbstufung wir den Namen Purpur bewahren wollen, während die röthlichcrenAbstufungen desselben Karminroth heissen mögen, kommt im Spectrum nichtvor, sondern kann nur durch Mischung seiner äussersten Farben, des Roth undViolett, hervorgebracht werden.

Von der Linie C bis zur Linie I) geht das Roth über durch Orange, d. h.Gelbroth mit überwiegendem Roth, in Goldgelb, d. h. Gelbroth mit überwiegen-dem Gelb. Festerem entspricht unter den metallischen Farbstoffen etwa dieMennige, letzterem die Bleiglätte (Bleioxyd).

Von /) bis zur Linie b hin linden wir sehr schnelle Farbenübergänge. Zu-nächst folgt ein sehr schmaler Strich reinen Gelbs, welcher etwa dreimal soweit von E als von D absteht. Dann folgt Grüngelb und zwischen E und breines Griin. Fiir das reine Gelb und Grün haben wir zwei sehr gute Repräsen-tanten unter den Malerfarben, nämlich fiir ersteres das fein niedergeschlagene,hellere chromsaurc Bleioxyd (Chromgelb) und für das letztere das arsenigsaureKupferoxyd (Scheei/scIics Grün).

Zwischen E und F geht das Grün durch Blattgrün in Blau über, zwischenF und ti folgen verschiedene Töne des Blau. Wegen der verhältnissmässiggrossen Breite der blauen Töne in dem durch Brechung erzeugten Spectrumdes Sonnenlichts hat Newton hier verschiedene Namen angewendet, englisch :blue und indico, lateinisch der Reihe nach thalassinum, cyaneum, coeruleum,indicum, worauf dann Violett, violaceum, folgt. Wir können den Namen Indig-blau bcibchalten fiir die nach G hinliegenden zwei Drittheilc des Raumes FG.Fiir das weniger brechbare Blau des ersten Drittels von FG hat man bishermeist einfach den Namen Blau angew r endet, auch wohl unrichtig Himmelblau,aber die Aehnliehkeit mit dem Himmelblau bekömmt dieses Blau in einem Spectrumvon bequemer Helligkeit nur durch die grössere Lichtstärke, während das Indigblau,dem der Farbenton des blauen Himmels angehört, in einem solchen Spectrum fürdiesen Vergleich zu dunkel erscheint. Da nun der gemeine Sprachgebrauch denreinen Himmel als den Hauptrepräsentanten des Blau betrachtet, und ihm den Na-men des Blau bewahrt, wenn er es mit weniger brechbarem Blau vergleicht, undletzteres bei einem solchen Vergleiche als grünlich bezeichnet, so können wir imwissenschaftlichen Sprachgebrauche nicht wohl das letztere einfach als Blau imGegensatz zum Indigblau bezeichnen, und ich habe deshalb den Namen Cyanblau

*