Einleitung. iz
der vermessenen Selbstklugheit denken, welche es waget, uns zuunterrichten, wie alles, was auf Erden gefunden wird, seine ge-genwärtige Einrichtung von den Naturgesetzen bekommen habe ?Es ist keineswegeö meine Meynung, Hypothesen gänzlich zu ver-werfen, denn wenn gleich eine untrügliche Erfahrung oft mehrLicht giebet, als hundert Hypothesen, so haben sie nichts destowe-niger ihren grossen Nutzen. Ich will hier blos sagen, daß sie alsMuthmaßungen, nicht als ausgemachte Wahrheiten vorgestellet,und gewisse Erfahrungen nicht nach ihnen gedrehek werden müssen.Wir vermögen nicht, die ehemalige Baukunst der Peruaner zuergründen, mit welcher Gewißheit sollten wir uns denn wohl zu-trauen, das grosse Werk der Natur zu begreifen? Beobachtungund Versuch sind die zween richtigen Leitfäden bey Untersuchungder Natur. Hypothesen gleichen einem dunkeln Licht, wodurchman eine Anweisung bekommt, die genannten Leitfäden zu fassen,und sie lassen, wenn diese nicht weiter reichen, einen schwachenaber unzuverläßigen Schein nach, der oft betrüglicher ist, als dieIrrlichter selbst: Hingegen sind ohne Absicht und Zusammenhangangestellte Versuche nicht anders anzusehen, als ein Tappen imDunkeln. Eine nach einen wohl bedachten Plan gemachte Ent-deckung hat unendlich mehr Verdienst bey sich, als eine Ersin-düng, worauf ein Zufall führet, und welche ohne Nachdenkendurch Umstände gleichsam aufgedrungen wird.
Wenn nun auf unseren kleinen Wohnplatz so viele tausendMillionen lebendige Körper gefunden werden, daß man allem-halben damit umgeben wird; wenn so unbeschreibliche Ungleich-heiten und Veränderungen an Grösse, Gestalt, Farbe, Natur,Lebensart, Fortpflanzung u. m. bey uns stakt finden; so vieleWunder, und für uns unbegreifliche Dinge: was muß denn nichtauf so vielen taufend Weltkörpern geschehen, die unsere Erde anGrösse übertreffen? Was vor eine Gestalt und was vor Eigen-schaften haben wohl ihre vernünftigen Einwohner und andre Thie-re? Wie ist die Einrichtung daselbst beschaffen? Ungleiche Lage,
B z Umlaufs-