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entnehmen können, als Griechen und Römer in Europa und vieleVölker Asiens und der afrikanischen Nordküste sich schon eineshohen Grades der Civilisation erfreuten, spricht durchaus nichtfür die Güte derselben. Die Völker des nördlichen Europa leb-ten in Barbarei und Stumpfsinn und wurden aus denselben erstdurch die Anstösse, die sie von Süden und Osten durch dieGriechen, noch mehr durch die Römer und vorzüglich durch dieWandcr- und Heerzüge asiatischer Völkerschaften erhielten, auf-geschreckt und zum Aufgeben ihrer früheren Lebensweise, zugeordnetem Widerstande, zu einer geregelten Ordnung der bür-gerlichen und staatlichen Verhältnisse genölhigt. Vordem hattensie in ihrer angebornen und durch alle Verhältnisse begünstigtenIndolenz Alles vernachlässigt, was nicht gerade durchaus nöthigwar zum Obdach, zur Kleidung und Nahrung; sie führten einthierisches Leben, gefielen sich in demselben und lernten erst vonfremden Völkern ein besseres, milderes und genussreicheres kennen.Ihre Heerden und die Jagd lieferten ihnen das Nölhigste, auf dieVerbesserung der erstem verwandten sie aber nicht die geringsteMühe, sie überliessen Alles der Mutter Natur. Diess gilt beson-ders in Bezug auf die damaligen Pferde, die, bevor sie mit andern,namentlich orientalischen gekreuzt worden, von der allerschlech-lesten Beschaffenheit waren. Mangel an Pflege, oft auch an Fut-ter, oder saures Gras in Niederungen und an den Ufern der Flüsse,ein wenig zuträgliches Clima, Sorglosigkeit bei der Paarung undder Zucht hatten das edle Geschlecht der Pferde in den nördlichenLändern Europas auf die unterste Stufe gebracht. Die Knochenderselben waren zwar stark d. h. dick, aber nicht fest, sondernporös, die Gelenke ebenfalls dick, die Sehnen und Muskeln schlaffund schwammig, der Körper breit und fleischig und der Bauchherabhängend, der Kopf plump und missgestaltet, das Haar grob