Buch 
Das orientalische Pferd und das Privat-Gestüte ... des Königs von Württemberg : eine hippologische Monographie für Züchter, Freunde und Kenner von edlen Pferden / von ... A. Jäger
Entstehung
Seite
110
JPEG-Download
 

no

und durch mehrere Generationen hindurch fortgesetzte Sorgfaltauf jene Punkte die äussere Gestalt und die Formationen einzel-ner Theile mehr oder weniger nach seinem Willen und für seineZwecke umgcstalten kann. Nimmt man einen Hengst mit einemhohen Widerrüst und lässt von ihm eine Stute mit eben jenerFormation beschälen, so wird das Fohlen in den meisten Fällengleichfalls einen hohen Widerrüsl haben, setzt man nun die Zuchtmit derselben Rücksicht fort, so kann es kaum fehlen, dass dieNachkommen in immer höherem Grade jene Eigenthümlichkeiterben. Und so mit allen Theilen des Körpers je nach dem Zwecke,zu welchem man ein Pferd bestimmt. Dabei ist noch zu bemer-ken, dass das englische Vollblut aus einer glücklichen Mischungverschiedener orientalischen Racen abstammt, die insgesammt aufden Complex desselben eingewirkt haben. Derber, Araber, Tür-ken und Perser wurden gekreuzt und so entstand das Vollblut-pferd, grösser, starkknochiger, mit einem langem Halse und hö-herem Widerrüste, als seine Stammeltern. Man würde noch jetzt,wenn man freie Wahl hätte und in derselben glücklich wäre,aus orientalischen Pferden eine ganz gleiche Race wie die edleenglische züchten können, z. E. aus einer Paarung arabischerHengste mit Berberstuten. Reichliches Futter und sorgfältigeWartung und Behandlung würden die Nachkommenschaft in dennächsten Generationen bereits bedeutend grösser und stärkermachen und diess würde man um so eher und gewisser erreichen,wenn man kräftige und möglichst grosse und starke orientalischeThiere zur Fortzucht ausgewählt hätte.

Nachdem die englische Vollblulrace hervorgerufen und con-stant geworden, züchtete man seit Mitte des vorigen Jahrhundertsin ihr fort und setzte das orientalische Blut mehr und mehrzurück, bis dasselbe bei den englischen Züchtern in völligen