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Das orientalische Pferd und das Privat-Gestüte ... des Königs von Württemberg : eine hippologische Monographie für Züchter, Freunde und Kenner von edlen Pferden / von ... A. Jäger
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die gewichtigen Waffen machten leichteren Armaturen Platz,Turniere gab es nicht mehr, und die Deutschen fühlten das Stre-ben, aus ihrer alten gewohnten Weise sich zu erheben und einregeres, frischeres Leben zu beginnen. Stehende Heere wurdenerrichtet, der Verkehr belebt, die Communicationen erleichtertund beschleunigt, dazu bedurfte man der Pferde, und zwar bes-serer und in grösserer Zahl als vordem.

In Frankreich , welches damals allen anderen Staaten, be-sonders den kleinen deutschen, zum Vorbild diente, nicht alleinwas Mode und Luxus, sondern auch was Regierung, Staats-einrichtungen, Neuerungen, das Heerwesen, Kunst und socialesLeben betraf, in Frankreich wurden unter Ludwig XIV. durchdie Bemühungen des Ministers Colbert , der die Nothwendigkeiteinsah, die Pferdezucht zu verbessern und zu vermehren, Land-gestüte eingerichtet, und diese Institute ahmten viele deutsche Fürsten sofort nach. Jetzt wurden aus den miserabeln bunt-farbigen Privatgestüten der Landesherren Landbeschäler genom-men, um den gewöhnlichen Pferdeschlag zu verbessern! Dadurchkonnte der löbliche Zweck nimmermehr erreicht werden; strengeBefehle, Beschränkung des freien Willens der Züchter, die un-zweckmässigsten und unvollkommensten Maasregeln traten hinzu,und so bewirkte man das Gegentbeil von dem, was man erstrebte:immer grösseren Verfall der Pferdezucht, Abneigung dagegen imVolke und Verschlechterung der Racen durch übel gewählte Be-schäler, bei gänzlichem Mangel an guten Stuten.

Noch blühte zu jener Zeit die Pferdezucht in Spanien undtheilweise in Italien ; mit Macht erhob sie sich in England, aber inFrankreich wollte sie, unerachtet aller Kosten, die darauf verwendetwurden, sich nicht heben, und dasselbe war in Deutschland derFall, welches leider Frankreich nachahmte. Diess geschah besonders,