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jedoch so ungünstig, niedrig, morastig, durch die nahen Wal-dungen und Sümpfe voll Ungeziefer, und desshalb unzweckmässigund ungesund, dass es vor einiger Zeit nach Kladrub, in Böhmen ,verlegt worden ist, wo schon früher ein kaiserliches Gestüt be-standen hatte. In Kladrub wird ein grosser Schlag gezogen,grosse Carossiers - und Paradepferde aus der ursprünglichen Po-lesiner-Race, die, wie wir gesehen haben, in einigen Ueberrestennoch in der Landschaft Polesina in Italien besteht und fortge-züchtet wird, obwohl sie dem Verfalle sehr nahe ist. Als dasKoptschaner Gestüt nach Kladrub kam, wurde zugleich englischesBlut eingeführt. Auch das Salzburger Gestüt, in dem vorzugs-weise die Polesiner-Race verwendet worden, ward mit dem Kla-druber vereinigt und nun dort ein grosser, stattlicher aus Schim-meln und Rappen bestehender Wagenschlag für den kaiserlichenMarstall gezogen. Die Schimmel zeichnen sich vornehmlich durchihren colossalen Bau aus und als Paradepferde, in schönem Ge-schirr, vor glänzenden Staatswagen, nehmen sie sich sehr vor-theilhaft aus, indem sie trotz ihrer Grösse und Schwere einegewisse Grazie besitzen. So mögen die Ritter- und Turnierpferdeder edelsten Art im Mittelalter beschaffen gewesen sein. Einleichterer Schlag, zu Reit-und leichten Wagenpferden bestimmt,wird auf dem kaiserlichen Gestüt zu Lipizza, in der Nähe vonTriest , gezogen. Leopold I. legte es in einer hohen gebirgigenGegend an, in Folge dessen die Thiere auf den Waiden nurwenig, aber sehr gesunde Nahrung finden, sich erst spät ausbil-den, keine bedeutende Grösse, jedoch ein hohes Alter erreichenund sehr dauerhaft sind. Vormals benutzte man, ausschliesslichspanische und italienische Hengste, neuerdings auch arabische undenglische, wodurch man den Stamm in Lipizza, wie die jungeZucht beweist, bedeutend verbessert hat. Doch zieht man den