Band 
I.ter Theil.
Seite
91
JPEG-Download
 

Vom unebenen auf der Oberflaͤche. 91

Die Ufer ſind gemeiniglich die niedrigſten Theile eines Lan-des. Sie beſtehen zuweilen wohl aus jaͤhen und hohen Klippen,aber mehrentheils erheben ſie ſich nach und nach ſtaͤrker oderſchwaͤcher von der Meeresflaͤche bis zu einen gewiſſen Abſtand,woſelbſt ſie ſich dann nach der andern Seite zu ſenken anfangen,bis ſie ſich aufs neue entweder unter der Waſſerflaͤche verlieren,oder ſich, ehe ſolches geſchiehet, oft wieder erheben, und dadurchverſchiedene Hoͤhen, Thaͤler und Felder hervorbringen.

Der Waſſerzug zeiget einigermaſſen die hoͤchſten Stellen ei-nes jeden Landes. So ſcheinet die Schweiz in ganz Europa,wenigſtens gegen Suͤden von der Oſtſee, die hoͤchſte Gegend zuſeyn. Denn von der Gegend S. Gotthard entſpringen groſſeFluͤſſe, welche in ganz von einander gelegenen entfernten Ortenins Meer fallen; als der Po ins adriatiſche Meer; die Do-nau, welche bis zum ſchwarzen Meer gehet; der Rhein, wel-cher durch Holland ausflieſſet, und die Rhone, welche ſich indas mittellaͤndiſche Meer ergieſſet. Aber auch kleinere Stre-cken auf der Oberflaͤche haben ihre Haupthoͤhen. Ein Theil vonBourgogne iſt eine ſolche in Frankreich, denn er giebt durchdie Seine, Loire und Rhone Waſſer in die Nordſee, dieWeſtſee und das mittellaͤndiſche Meer.

In Aſien ſind verſchiedene ſolche Theilungspuncte, und auchohne Zweifel in Africa, wovon das innere ſo wenig bekannt iſt,daß man die Stellen nicht weiß. In America iſt die Gegendum Quito ein ſolches Punct, ſie liegt 1600 Faden uͤber die O-berflaͤche des Meeres, und iſt daher von bewohnten Laͤndern dashoͤchſte in der ganzen bekannten Welt, wogegen Savoyen,Schweiz, Auvergne, u. m. als ganz niedrig anzuſehen ſind.Denn obgleich das Kloſter auf dem groſſen St. Bernhardsbergetwa 1350 Faden uͤber das Meer liegen ſoll, ſo ſteigen doch diehoͤchſt bewohnten Oerter kaum uͤber die Haͤlfte der Hoͤhe vonQuito.

M 2§. 30.