Band 
I.ter Theil.
Seite
94
JPEG-Download
 

94 Zwote Abtheil. Viertes Capitel.

und in Frankreich zwiſchen 1640 und 1650 Faden. Mehr hie-von, nebſt den Urſachen, weiter unten.

Wenn man die Bergruͤcken betrachtet, ſo kommt es uns an-fangs ſo vor, daß ſie von Ungefaͤhr und ohne Ordnung geſtelletſind; aber bey genauerer Unterſuchung findet man eine ſehr merk-wuͤrdige Uebereinſtimmung unter den Theilen deſſelben, wovonfolgende Umſtaͤnde hier erwaͤhnet werden muͤſſen. Allenthalben,wo zween zunaͤchſt graͤnzende Berge oder Klippen ein Thal zwi-ſchen ſich laſſen, ſindet man, daß den Ausſchuͤſſen oder ausge-henden Winkeln an einer Seite eingehende mit erſternuͤbereinſtimmende Winkel auf der andern Seite entgegenſtehen, daher beide Seiten des Thals uͤberall parallel liegen, nichtanders als die Linien eines Feſtungswerks, oder noch aͤhnlicher,als die Seiten eines Fluſſes(p). Was dieſe Anmerkung ſagenwolle, wird ſich weiterhin zeigen.

Man findet auf der Erdkugel uͤberall eine ſolche MengeBergſtrecken, daß man leicht auf den Gedanken gerathen koͤnnte,daß ihr Grund oder ihre Wurzeln in der Tiefe zuſammengehen,und endlich in einen feſten Klumpen vereiniget werden, deſſenOberflaͤche an den Stellen, wo Erde und loſere Materie die Eckenausfuͤllet oder bedecket, bewohnt werden kann. Aber es iſt rath-ſamer, ſie gegenwaͤrtig da zu betrachten, wo unſere aͤuſſern Sin-ne die Unterſuchung leiten, ihre Richtung, Materie, Figur, Ei-genſchaft und andre Verhaͤltniſſe zu bemerken, als ſich in der Tie-fe in Muthmaſſungen zu verlieren, die doch nie zur Gewißheitgebracht werden koͤnnen. Wir muͤſſen daher zuerſt verſuchen,dieſen Stuͤcken ſo gut nachzugehen, als es der unvollkommene

Unter-

(p) Bourguet(welcher 30 mahlan 14 ungleichen Stellen uͤber die Al-pen gereiſet, 2 mahl uͤber die Apen-niniſchen Berge, und ſonſt verſchie-dene Reiſen, ſo wohl in der Gegend,als um den Berg Jura gemacht)hat dies zuerſt angemerkt. S. Lettr.phil. ſur la formation des ſels.

Selbiges iſt nachher auf den Alpen,dem Apenniniſchen und mehrern Ber-gen von Buͤffon, Bertrand u. m.beobachtet worden und kan durch daseigene Zeugniß eines jeden, der ſichin dergleichen Gegenden aufhaͤlt, be-kraͤftiget werden.