224 Dritte Abtheil. Zweites Cap.
aber auſſer den Kruͤmmungen, Inſuln, u. dgl., welche die Fahrtmehr oder weniger hindern koͤnnen, ſo macht das Zunehmen derBreite derſelben viel bey der Sache aus. Die Waſſermengeund die Schwere des obern Waſſers iſt auch von vieler Bedeu-tung, und noch mehr, als der Fall des Bodens. Einem ſeichte-ren Fluß hindert die Reibung mehr, als einem tiefern, welcherUmſtand groͤſten Theils den Unterſcheid ausmachen duͤrfte, denman zwiſchen der Geſchwindigkeit der Loire und Seine findet.
Eiin ſchneller Strom behaͤlt ſeine erworbene Geſchwindigkeitnicht allein lange auf einem waagerechten Boden, ſondern kannauch oft uͤber verſchiedene Hinderniſſe weglaufen, ohne auf dieSeiten zu flieſſen, und die gewoͤhnliche Graͤnzen zu uͤberſchreiten.Es iſt ein alter Irrthum, daß der Rhein durch den Bodenſee,und die Rhone durch den Genferſee laufen, ohne ſich mit die-seblen vermiſchen, oder ihre Fahrt zu verlieren; aber obies gleich ungegruͤndet und unmoͤglich iſt, ſo iſt es doch gewiß,daß ihr Weg weit in den Seen merklich iſt. Die Rhone un-terſcheidet ſich noch eine Viertheil Meile, ſowohl durch die Be-wegung, als durch ihr bleiches und milchfarbiges Waſſer(a).Eine ſolche Heftigkeit hat zuweilen groſſen Theils ihren Grund indem engen Auslaufe. So ſoll es mit dem Fluſſe Syre in Nor-wegen ſeyn, welchen man noch weit in der See erkennet(5);aber da die Muͤndungen gemeiniglich weit ſind, ſo muͤſſen zugleichandere Urſachen dazu beytragen. Der Nil iſt noch in anſehnli-chem Abſtande vom Ufer kennbar, ſowohl durch ſein weiſſes alsfriſches Waſſer.—
Wenn der Boden keinen Widerſtand thaͤte, ſo muͤſte dasWaſſer deſto ſchneller laufen, je tiefer es iſt; aber die Erfahrunglehret, daß es zuweilen langſamer laͤuft, als das obere, und zu-
weilen(a) Journ. Helvet. 1741. Avril.(5) EEö“ g. St. I. S.Pomponius Mela gedenkt dieſes Wun⸗ 145. ach ſeiner Auſege iſt dieſer
ders ſchon, und ſeither viele, bis zu Fluß anderthalb Meilen in der Seeden neuern Zeiten. zu kennen.