362 Dritte Abtheil. Fuͤnftes Cap.
Bewegung geſetzt iſt, und auf einen Theil der Waſſerflaͤche ſtoͤſ-ſet, wird dieſe flieſſende Materie aus ihrer ebenen Lage gebracht,dasjenige, welches keinen Stoß erlitten, muß ſich uͤber den naͤchſt-graͤnzenden Theil, der dadurch niedergedruckt worden, erheben,und es muß alſo eine erhabene Beugung entſtehen, welche gleich-falls ihrer eigenen Schwere wegen gleich niederfaͤllt, und nebenſich die Oberflaͤche in die Hoͤhe treibet. Durch dieſe beſtaͤndigeAufhebung des Gleichgewichts und Beſtreben, es wieder herzu-ſtellen, entſtehet die Bewegung, welche man uͤberhaupt Mee-reswogen nennet, deren Groͤſſe nach der Staͤrke des Windes undandern Umſtaͤnden veraͤnderlich ſeyn muß. Auf dem mittellaͤn-diſchen Meere ſoll die lothrechte Hoͤhe der Wellen nie uͤber 8Fußgehen, von dem ſtillen Waſſer an gerechnet(p). In der Oſt-ſee gehen ſie zuweilen hoͤher. Wenn viele zuſammenſtoſſen, wirddie Tiefe groͤſſer. Die Taucher berichten, daß in einer Tiefevon 15 Faden keine Bewegung verſpuͤret wird, wenn gleich dieOberflaͤche ſtark gehet(q7). Ja erfahrne Seemaͤnner behaupten,daß die Bewegung des Meers 4 Faden unter der Oberflaͤche desſtillen Waſſers ſehr geringe iſt, und die oſtindiſchen Perlenfiſcherhaben keinen Widerwillen zu tauchen, wenn ein Schiff kaumauszulaufen waget(q¶/) Bey langwierigem und heftigem Stur-me pfleget doch das Waſſer am Grunde etwas unruhig und truͤbezu werden.§. 100.
Die Bewegung des Mondes iſt noch eine beſtaͤndigereUrſache, welche die Meeresflaͤche zweymal jeden Tag erhebet.
Um eine naͤhere Kenntniß von der Beſchaffenheit derſelbenzu erhalten, wollen wir uns an einer hohen Klippe unter der Li-nie in freyer See ſtellen, und die Veraͤnderungen, welche da-ſelbſt taͤglich vorfallen, anmerken.
Man ſetze, daß das Meer in Anſehung des feſten Merk-mals auf der Klippe den erſten Tag zur Mittagszeit am hoͤchſten
eſtan-
(p) AMarſigl.(2) Beyle de fundo maris Se&. III,