Band 
I.ter Theil.
Seite
263
JPEG-Download
 

Vom Weltmeere. 263

geſtanden, ſo merket man, daß, nachdem es einige Minuten ſtil-le geſtanden, es bis ungefaͤhr 6 Uhr falle, worauf die Oberflaͤchenach einer Ruhe von einigen Minuten wieder bis Mitternachtungefaͤhr ſteiget, da ſie am hoͤchſten und ungefaͤhr dem erſtenStande gleich iſt. Endlich faͤllt ſie ungefaͤhr 6 Stunden aufsneue. Man bemerket, daß ſich alle dieſe Veraͤnderungen nachdem Monde richten, und daß das Waſſer etwa 3 Stunden, nach-dem er durch den Mittagskreis gegangen, am hoͤchſten ſtehe. Einſolches Steigen wird Meeresfluth, und das Fallen Ebbe ge-nannt.

Den andern Tag kommt die Fluth nicht eher zur groͤſten Hoͤ-he, als gegen 1 Uhr, und eben ſo viel wird auch die Zeit der Mit-ternachts⸗Fluth verruͤckt. Durch eine ſolche taͤgliche Verzoͤge-rung geſchiehet es, daß nach 8 Tagen die Ebbe zu Mittage undMitternacht einfaͤllt, und die Fluth um 6 Uhr Morgens undAbends. Nach 15 Tagen wird die erſtere Mittagsfluth bis zurMitternacht verruͤckt, und umgekehrt, und nach 30 Tagen faͤlltendlich alles ſo, wie anfangs. Man merket auch, daß die Fluthallezeit von Oſten gegen Weſten gehet. Es lehren die Bemer-kungen ferner, daß dies Fallen und Steigen nicht allezeit gleichſtark iſt. Gemeiniglich findet man die dritte Tagsfluth nach denNeu⸗ und Vollmonden am groͤſten, und die dritte nach den Vier-theilen am kleinſten.

Setzet man dieſe Beobachtungen eine laͤngere Zeit fort, ſoentdeckt man noch groͤſſere Verſchiedenheiten. Der ſtaͤrkſteFluthwechſel faͤllt nach den Neu⸗ und Vollmonden, die denNachtgleichen am naͤchſten ſind, aber die kleinſten im Sommerund Winter. Doch ſind die nach den Mondviertheilen fallendeVeraͤnderungen des Meers im Herbſt und Fruͤhling gewoͤhnlichkleiner, als im Sommer und Winter.

Wenn man ſolche Beobachtungen der Waſſerflaͤche an an-dern Orten anſtellet, ſo findet man verſchiedenes, welches vonder jetzt angefuͤhrten Beobachtung abgehet. In einiger Entfer-

nung