Dritte Abtheil. Fuͤnftes Cap.
der von Oſten nach Weſten gehenden Anhaͤufung des Waſſersim Wege ſtehen, muß eine Aufdaͤmmung geſchehen, wodurchdas Fluthwaſſer nothwendig noch mehr erhoͤhet wird. Alle ge-gen Oſten offene Meerbuſen und oͤſtliche Kuͤſten muͤſſen alſo, wenndas uͤbrige gleich iſt, hoͤhere Meeresveraͤnderungen haben. Indem Amazonenfluſſe ſind die Meereswechſel uͤber 100 Meilenvon der Muͤndung merklich. Die Meerbuſen hingegen, welcheihren Ausgang gegen Weſten haben, als die Oſtſee und dasmittellaͤndiſche Meer, zeigen ſehr geringe hieher gehoͤrige Ver-aͤnderungen.
In der mittlern Fluth ſteiget das Waſſer in der offenbarenSee, wenn die Wuͤrkungen der Sonne und des Mondes uͤberein-ſtimmen, ungefaͤt 10 ½ Fuß, aber wenn ſie einander entgegenge-ſetzt ſind, naͤmlich in den Tagen der Mondviertheiln, nur 72 Fuß.Hieraus folget, daß der Mond allein das Waſſer 9 Fuß in dieHoͤhe zu ziehen vermag, da die Sonne es nur etwas uͤber 2 Fußerhoͤhen kann. Dies Verhaͤltniß iſt doch nach Maaßgebung vor-gedachter Umſtaͤnde veraͤnderlich.
Um die Beſchaffenheit der Veraͤnderungen des Meeres anjedem Orte zu entwickeln, dazu wuͤrden viele Baͤnde erfordertwerden, und noch viele bisher nicht gemachte Beobachtungen.Hier koͤnnen nur die allgemeinen Urſachen der Veraͤnderungen an-gegeben werden, wobey die Lage der Kuͤſten, die Winde, Inſuln,Grund des Meeres, ausgehende Stroͤme, u. m. nach ihrer un-gleichen Vereinigung die Abweichungen von den Regeln verurſa-chen, welche man bemerket, wovon ſogleich ein Exempel ange-fuͤhret werden ſoll(/). Man ſetze, die Fluth komme nach einen
Ort
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(2) Die Erklaͤrung der Ebbe undFluth hat die Gelehrten lange geaͤf-8 ja einige hatten keinen andern
usweg, als daß ſie die Erde als einsroſſes Thier vorſtelleten, welches dasWaſſer einzog, und auswarf; andre
nahmen ihre Zuflucht zu dem Meers-ſtrudel, u. ſ. w. Plinius ſchrieb ſiedoch der Wuͤrkung der Sonne unddes Mondes zu. Galilaͤus will dieEbbe und Fluth von der taͤglichenund jaͤhrlichen Bewegung dem eige
erlei-