Vom Luftkreiſe. 291
man die Hoͤhe des ganzen Luftkreiſes ausrechnen koͤnnen, wo an-ders die Ausdehnungen nach einem gewiſſen beſtaͤndigen Geſetzegeſchehen, aber das dritte und vierte Stuͤck ſind bisher nur eini-germaſſen bekannt geworden, und daher kann die Aufgabe nochnicht mit Sicherheit aufgeloͤſet werden.
Wenn eine elaſtiſche und gleichartige fluͤſſige Materie eineKugel umgiebt, und gegen den Mittelpunct derſelben ihre Schwe-re aͤuſſert, ſo iſt klar, daß, wenn kein Hinderniß da iſt, dieOberflaͤche derſelben mit der Oberflaͤche der Kugel parallel gehenmuͤſſe. Und wenn man eine Schichte findet, die hoͤher als Biſt, ſo muß die Schwere derſelben zu ſchwach ſeyn, die Federkraftin B zu bezwingen, daher muͤſſen alle Theilchen in der Schichtedaruͤber gleiche Groͤſſe und Dichtigkeit haben.
Wenn man annimmt, daß die Ausdehnungen des Luftkrei-ſes mit den Verminderungen der Zuſammendruͤckungen in einer-ley Verhaͤltniß fortgehen, und die Schweren gegen die Erde ſichumgekehrt, wie die Quadrate der Abſtaͤnde verhalten, ſo folgetdaraus eine unendliche Hoͤhe des Luftkreiſes(2), welches von denSchluͤſſen ganz abweichet, die man aus Beobachtung der Daͤm-merungen gezogen, woraus ſich nur eine Hoͤhe von 6 bis 7 Mei-len ergiebt(a). Die Nordſcheine, welche oft uͤber hundert Mei-len von der Erde ſind, zeigen doch deutlich, daß die Daͤmmerun-gen nur bemerken, in welcher Hoͤhe die Luft ſo fein wird, daß ſienicht weiter die Lichtſtrahlen merklich zuruͤck zu werfen vermag.Wenn der Abſtand AB, ehe die Lufttheilchen ihre natuͤrlicheGroͤſſe erhalten, ſehr groß iſt, ſo koͤnnte es wohl geſchehen, daßunſer Luftkreis an diejenigen von andern Planeten reiche, und daßdie Zwiſchenraͤume des ganzen Syſtems von einer Miſchung vonallen Luftkreiſen angefuͤllet wuͤrden(5). Eben daſſelbe koͤnnte auchwol geſchehen, wenn gleich AB klein waͤre, wenn naͤmlich die
Oo 2 Schich-
(*) Siehe Hrn. Prof. Melanders Diff. de atmoſphæra telluris, p. 11,(a) Halley g. O.(2)§. 132.