Band 
I.ter Theil.
Seite
341
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Von Winden. 341

Bey Bergen in Norwegen wehet zur Sommerzeit ge-meiniglich ein maͤßiger Weſt, Suͤdweſt oder Nordweſt von Mit-tage bis zur Mitternacht, und nachher ein oͤſtlicher bis einigeStunden vor Mittage(2).

Die Urſache dieſer Erſcheinung iſt noch ein Raͤthſel. Boden,Bergruͤcken, Schnee u. m. thun ohne Zweifel vieles zur Sache.Wo die Luft erwaͤrmet und von irgend einer Seite uͤberwaͤltigetwird, da entſtehen glaublich zween ſtreitige Stroͤme, einer vonder waͤrmern und ſich ausbreitenden Luft, welcher aufwaͤrts ge-het, und ein anderer von der eindringenden Luft, welcher nieder-waͤrts gehet. Arabien, Perſien, Indien, u. m. werden vomApril bis zum September ſtark erwaͤrmet, daher dringet ſich einentgegengeſetzter Suͤdweſt unter den allgemeinen Nordoſt; aberdie uͤbrige Zeit gehet der Nordoſt unterwaͤrts, welcher durch dieKaͤlte von den mit Schnee bedeckten Bergen in dem Lande maͤch-tiger wird(a). Dies entwickeln die Paſſatwinde einigermaſſen,aber es iſt ſchwer zu erklaͤren, warum dieſelben vor ſelbiger Urſa-che im aͤthiopiſchen Meere in gleiche Breite, und andertwaͤrtsnicht entſtehen? Die beſondern Umſtaͤnde der Oerter muͤſſen hie-bey von Gewicht ſeyn. Die Veraͤnderungen bey den Kuͤſtenvon Braſilien ſcheinen daher zu entſtehen, daß das Land untenhinab gegen Weſten haͤnget, daher der Suͤdwind, welcher imApril auf dem aͤthiopiſchen Meere wehet, die hohen Ufer vonBraſilien trift, und von ſelbigen gegen Suͤdweſt hin gezwungenwird. Aber, wenn im September die Sonne grade uͤber Bra-ſilien kommt, ſo dringet die maͤchtigere Luft von dem nordlichenTheile des Landes vor, daher denn der Nordoſtwind entſtehet.

Der Streit, zwiſchen den Land⸗ und Seewinden, ſcheinet ſei-nen Grund in der ungleichen Erwaͤrmung und Abkuͤhlung derLandluft gegen diejenige, welche uͤber der See ſtehet, zu haben.

Un 3§. 136.

(2) Pontoppidan.(a) Halley Phil. tr. abr. Vol. II. S. 140.