414 Fuͤnfte Abtheil. Viertes Cap.
deſſelben vor dieſem nicht ganz anders beſchaffen geweſen ſeyn ſoll-te. Wer ſeine gegenwaͤrtige Beſchaffenheit der unmittelbarenWuͤrkung Gottes in der Schoͤpfung oder Suͤndfluth zuſchreibet,der entgehet allen Schwuͤrigkeiten, die ihre Erklaͤrung von na-tuͤrlichen Urſachen begleiten. Eine Allmacht kann ja ihr Werknach Gefallen ſchaffen und einrichten. Man muß aber doch be-kennen, daß ſo zureichlich auch dieſer Grund iſt, doch die meiſtenes fuͤr unglaublich g halten haben, daß der Schoͤpfer ſo unmittel-bar unſre Erde in das Geſchick gebracht, das ſie jetzt hat. Er hatgewiſſe Geſetze eingerichtet, nach welchen jetzt alle Veraͤnderun-gen geſchehen, und welche zuſammengenommen, dasjenige aus-machen, was man uͤberhaupt durch das Wort, Natur, verſte-het. Man ſtellet ſich vor, daß die im Anfange geſchaffene Erdeder Ausuͤbung dieſer Geſetze gemaͤß, endlich diejenige Beſchaffen-heit und Geſtalt erhalten habe, die ihr jetzt zukommt. Carte-ſius iſt der erſte, der es verſucht hat, die Entſtehung der Erdeauf einer mechaniſchen Art vorzuſtellen(), und ſeitdem habenverſchiedene in dieſer Materie ihre Kraͤfte verſucht. Es iſt jetztnicht meine Abſicht, alle Gedanken derſelben auszufuͤhren, nochdie Saͤtze eines jeden zu pruͤfen. Ich will nur von den fuͤrnehm-ſten Meynungen kuͤrzlich einen Auszug geben, und uͤberlaſſe esden Leſern ſelbſt zu urtheilen, in wie ferne ſie mit den im vorher-gehenden angegebenen Beobachtungen mehr oder weniger uͤber-einkommen.
Die Kenntniß von der Beſchaffenheit der Erde und die Haus-haltung der Natur ſind die Huͤlfsmittel, die uns allein auf dierechte Spur fuͤhren koͤnnen. Aber da unſre Naturkunde nochmit vieler Unvollkommenheit behaftet iſt, ſo muß es uns nichtwunderlich vorkommen, daß die Syſteme in dieſem Falle nichtvon Maͤngeln und ſchwachen Seiten befreyet werden koͤnnen, jaeinige gleichen mehr phyſicaliſchen Romanen, ais Erklaͤrungen.
§. 159.
ꝙy Princ. pars III.& IV.