Band 
I.ter Theil.
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444 Sechste Abtheil. Drittes Cap.

Ein Schuß in einem Jahre hat Knoſpen fuͤr das naͤchſtfol-gende, u. ſ. w.; aber wo ein Knoſpen Blumen treibt, da hoͤretalle weitere Verlaͤngerung auf. Wann alſo alle Blatſtiele es ſoweit gebracht haͤtten, Blumen hervorzubringen, ſo muͤßte nachder gewoͤhnlichen Ordnung der Natur der aͤuſſerliche Wachsthumaufhoͤren.

Das Mark und ein rindenartiger ſelbiges umgebender Ueber-zug ſcheinen fuͤr eine Pflanze unumgaͤnglich nothwendige Theilezu ſeyn. Erſteres traͤgt nichts zur Nahrung der Pflanze bey,denn man ſiehet Baͤume, wo ſelbiges zu unterſt gaͤnzlich wegge-trocknet iſt. Sein Nutzen iſt uns unbekannt, aber es ſcheinetauf einige Art mit dem Mark des Ruͤckgrads im Thierreiche uͥber-einzukommen. Ich nenne alles, was das Mark umgiebt, rin-denartigen Ueberzug. Denn obgleich das holzartige von der ei-gentlich ſogenannten Rinde unterſchieden iſt, ſo hat es doch davonſeinen Urſprung. Dieſer Ueberzug foͤrdert den Nahrungsſaft indie Hoͤhe, und bereitet ihn,

In Anleitung hievon kann man einigermaſſen begreifen, wo-her Zweige, Knoſpen, Laub, u. m. die etwas Mark mit gehoͤri-gem Ueberzug enthalten, Wurzel ſchlagen und wachſen koͤnnen,wenn ſie in die Erde kommen. Das Mark ſtrebt beſtaͤndig indie Hoͤhe, und treibt Laub und Zweige aus. Die Wurzel ent-haͤlt ſelten davon etwas, ſondern ihr Kern beſtehet aus einem hol-zigen Weſen, und ſcheinet eine Neigung zu haben, ſich in der Er-de auszubreiten, nichts deſtoweniger kann eine Pflanze umgekehrtwachſen, da die Crone Wurzel wird. Sollte nun nicht das Be-ſtreben des Marks gegen dasjenige Ende gerichtet ſeyn, welchesvorher in der Erde war, daher die Wurzel Crone werden kann,und umgekehrt?

Aber auſſer der beſagten Fortpflanzungsart iſt noch eine ge-woͤhnlichere, durch den Saamen. Die erſtere ſcheinet eine Fort-ſetzung des Pflanzenlebens(vita vegetativa), aber die letzte-re ihr Anfang zu ſeyn. Die Natur gebraucht hiezu eigene An-

ſtalten,