450 Sechste Abtheil. Viertes Cap.
die kaum mehr Kennzeichen der Erkaͤnntniß und Empfindung zei-gen, als die Pflanzen. Die an der Graͤnze ſtehende Thiere glei-chen den Gewaͤchſen an Figur, Fortpflanzung u. m. Eine jedeKnoſpe und eine jede Blume, kann als eine beſondere Pflanzeangeſehen werden, alſo iſt der groͤßte Theil des Pflanzenreicheseine Zuſammenſetzung vieler Gewaͤchſe, die ihre Nahrung voneiner gemeinſchaftlichen Wurzel haben. Die einfachſten Thiereſind auf ſelbiger Art beſchaffen, gemeiniglich ſind viele in Verei-nigung. Bandwurm(Tænia) und Thierpflanzen(Zoophyta)ſind davon deutliche Beweiſe. 8§. 213.
Die Empfindung und Bewegung eines Thiers haben ihrenGrund in den Nerven, welche aus einem ſehr loſen Weſen ent-ſpringen, das mit dem Mark bey den Gewaͤchſen uͤbereinkommt,und nach ſeiner Lage in Gehirn(cCerebrum) und Gehirnlein(cerebellum) unterſchieden wird, deren untere Ausſchuͤſſe ver-einiget das laͤnglichte Mark(medulla oblongata) ausma-chen, wovon das Ruͤckgradsmark(medulla ſpinalis) eineFortſetzung iſt. Jeder Nerve gleichet einem Buͤndel von man-cherley feinen und parallelen Faͤden, die in einer gemeinſchaftli-chen Huͤlle eingeſchloſſen ſind. Hievon ſind wir einigermaſſendurch das Anſchauen derſelben vergewiſſert: aber ob jeder Fadeninwendig hohl ſey, wie man aus dem ſchwammigten Weſen desGehirns ſchlieſſen will? Ob in denſelben ſich ein ſo genannterNervenſaft bewege, und nicht allein von der Wuͤrkung aͤuſſerlicherCoͤrper der Seele Nachricht giebt, ſondern auch die blos moͤgli-chen Schluͤſſe des Willens zur Ausfuͤhrung bringe? Oder ob die-ſelben durch und durch dichte ſind? u. m. ſolches hat bisher nichtmit Sicherheit abgemacht werden koͤnnen. Daß die NervenWerkzeuge der Empfindung ſind, wird durch ihre Unterbindun-gen erwieſen, denn dadurch verliehret der unterwaͤrts liegendeTheil alle Empfindung; aber die Art und Weiſe, wie ſie der
Seele