452 Sechste Abtheil. Viertes Cap.
gaͤnzlich beraubt zu ſeyn, vielleicht auch ſowohl Fiſche, als In-ſecten. Wozu der letztern bewegliche Hoͤrner(antennae) die-nen, weiß man nicht mit Sicherheit, aber nach Anleitung ver-ſchiedener Beobachtungen halte ich es bis weiter fuͤr glaublich,daß ſie Geruchswerkzeuge ſind.
Das Gehoͤr(auditus) bringet uns die Erſchuͤtterungenbey, denen die Lufttheilchen ausgeſetzt worden. Daß die Luft-wellen durch den Gehoͤrgang auf das Trommelfell ſtoſſen, daßdadurch die Schwingungen der Lüfttheilchen, vermittelſt der Ge-boͤrknochen und inſonderheit des Steigbiegels, welcher an demlaͤnglichen Fenſterhaͤutlein befeſtiget iſt, bis ins Vorzimmer undweiter in den einen Schneckengang fortgepflanzet werden; daßdie in der Trommel eingeſchloſſene und in Bewegung geſetzte Luftauf das runde Fenſterhaͤutlein ſtoͤſſet, die den andern Schnecken-gang zuſchlieſſet; daß dies alles geſchehe, weiß man zwar, aberwie die verſchiedene Toͤne zugleich ordentlich und ohne Vermi-ſchung mit einander gehoͤret werden koͤnnen, ſolches iſt noch nichtausgemacht. Die Lufttheilchen ſind glaublich von verſchiedenerGroͤſſe, und daher auch von verſchiedener Elaſticitaͤt, alſo koͤn-nen viele Toͤne ohne Vermiſchung bis zum Ohr fortgepflanzetwerden; aber woher kommt es, daß, da alle dieſe Wellen aufdie Nerven ſtoſſen, man keinen von ihnen allen zuſammengeſetz-ten Schall bemerket, ſondern daß jeder Ton von dem andern un-terſchieden werden kann? Wenn gelbe und blaue Strahlen zu-gleich auf einer Stelle des Augennetzee fallen, ſehen wir nichtzwo verſchiedene, ſondern eine zuſammengeſetzte Farbe, naͤmlichdie gruͤne. Woher gehet es denn im Ohr nicht auf dieſelbigeArt zu? Die Erfahrung lehret, daß wenn eine Seite in einemZimmer zu Schwingungen gebracht wird, alle andere, die mitihr uͤbereinſtimmende Schwingungen haben koͤnnen, von ſelbſtdieſelben annehmen. Sollten denn wohl nicht die Querſtreifen,die man auf der Scheidewand von den Schneckengaͤngen antrifft,(lamina triangularis) eben ſo viele Nervenſaiten ſeyn, die
nach