Von den Thieren uͤberhaupt. 465
den, daß bevorſtehende Kaͤlte und vieler Schnee von ihnen lav-ge voraus empfunden wird, und daß ſie ſolchen ſorgfaͤltig auswei-chen(*). In Nordamerica findet man wilde Tauben(co-lumba macroura) in unglaublicher Menge, aber wenn derSchnee ihnen den Zugang zu ihrer Nahrung benimmt, ſo kom-men ſie in unzaͤhligen Haufen nach den ſuͤdlichen Orten(†). Heu-ſchrecken kommen zuweilen in erſtaunlichen Heeren von der Tar-tarey gezogen, folgen dem Winde nach, und gelangen zuweilen,wie 1748 geſchahe, bis nach Schottland. In Schleſienfand man 1746 an verſchiedenen Stellen eine unbeſchreiblicheMenge. Sollte die Duͤrre dieſes Jahres davon die Urſache ge-weſen ſeyn? Solche Zuͤge geſchehen nicht von ohngefaͤhr, ſon-dern haben gewiß ihre wichtige Urſachen in den Umſtaͤnden, diean jedem Orte erforſchet werden muͤſſen.§. 216.—
Die Coͤrper der Thiere ſind ohne Zweifel die kuͤnſtlichſten Ge-baͤude, welche wir kennen, und ſo unvollkommen auch unſre Er-kaͤnntniß von ihrer Zuſammenſetzung, dem Gebrauch der Theileu. ſ. w. ſeyn kann, ſo iſt das wenige, was wir wiſſen, doch mehrals zureichlich, uns in die aͤuſſerſte Verwunderung zu ſetzen. Al-les iſt nach der Beduͤrfniß einer jeden Art abgemeſſen, und aufdas genaueſte eingerichtet. Sie ſind ſehr zuſammengeſetzte undvollkommene Maſchinen, aber die Urſache, weswegen man bis-her die mechaniſchen und hydrauliſchen Wahrheiten mit ſo gerin-gem Erfolge zu ihrer Erklaͤrung gebrauchen koͤnnen, muß nichtallein in unſrer unzureichenden Erkaͤnntniß von den kleinſten Thei-len der Maſchinen geſucht werden, ſondern groͤßtentheils in derregierenden Hauptkraft, welche dieſe Kunſtſtuͤcke belebet. DieWuͤrkungen eines empfindenden und denkenden Weſens ſcheinen
von
*) Szniol. Wi 2(d. Herrn Prof. Kalms Bericht8“ Ae. Han. in Königl. Wiſſenſch. Acad. Handl.
Bergm. Phyſ. Weltbeſchr. Nnun