474 Scechste Abtheil. Sechstes Cap.
Hier ſind alſo die Graͤnzen beider Reiche vereinigt. Ein Polypeund auf dem Halm keimendes Gras gleichen einander an Geſtaltund Fortpflanzung.
Sechstes Capitel.Von Fortpflanzung der Thiere.
§. 220.
D' Geſchichte des kleinſten Ungeziefers hat in neuern Zeiten
die Gruͤnde vollkommen aus dem Wege geraͤumet, welchevor dieſen verurſachten, daß man glaubte, ſie koͤnnten aus derFaͤulniß erzeuget werden(generatio æquiuoca). Es iſtgewiß, daß wir noch nicht im Stande ſind, aus der Natur derkleinſten Theilchen der Materie die Unmoͤglichkeit zu beweiſen;aber es iſt genug, daß keine Erfahrungen oder uͤberzeugendeGruͤnde bisher fuͤr den Gegenſatz angefuͤhret worden. Es wirdvon allen zugegeben, daß Thiere ihres Gleichen zeugen koͤnnen.Darf man denn glauben, daß dieſelbige Art von Thieren auchaus der Faͤulniß entſtehen koͤnne, ohne dazu die allerzuverlaͤßig-ſten Gruͤnde fuͤr ſich zu haben? Iſt es wohl glaublich, daß dieNatur zu Hervorbringung ganz gleicher Thiere ſo ungleiche Aus-wege gebrauche? Hat man zu einer ſolchen Muthmaſſung da-durch ein Recht, weil die Unmoͤglichkeit nicht bewieſen werdenkann. Beobachtungen und Verſuche ſind in der Natur die richti-gen Leitfaͤden, verlaſſen wir ſelbige, ſo gerathen wir auf unendlicheIrrwege. Man kann die Unmoͤglichkeit der Hervorbringungeines Elephanten aus der Faͤulniß nicht deutlicher beweiſen, alsvon einer Fliege? Aus welchem Grunde kann man denn mehrauf die eine beſtehen, als auf die andere?
. C. 221.
Die Fortpflanzung der Thiere geſchiehet gemeiniglich aufzweyerley Weiſe, entweder durch Eyer oder lebendige Jun-
gen;