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Buch II. Kap. 1. §. 10.
wogegen das bei der Erde Theil um Theil geschieht je nachderen Erkalten oder Warmsein.
39. Es ist ungewiss, ob das längere oder kürzere Leben beiallen Thieren und Pflanzen verschiedene, oder ob es dieselbe Ur-sache hat; denn auch unter den Pflanzen haben einige nur ein-jähriges, andere vieljähriges Leben.
40. Die unvergänglicheren Thiere sind weder die grössesten,
— denn das Pferd ist kurzlebiger als der Mensch, — noch diekleinen, — denn viele unter den Insecten leben ein Jahr lang;noch sind die Pflanzen überhaupt unvergänglicher als die Thiere,
— denn einige Pflanzen sind einjährig, — noch sind es dieLandpflanzen, denn es giebt einjährige Landpflanzen wie Land-thiere. Im Ganzen jedoch kommen die langlebigsten unter denPflanzen vor, wie die Palme.
41. Man muss annehmen, das Thier sei von Xatur feuchtund trocken, und solcher Art sei das Leben; das Alter aber seikalt und trocken, und so das Gestorbene. . . . Xotlnvendig mussdemnach das Alternde austrocknen. Es ist also nöthig (wenn dasLeben lange dauern soll), dass die Feuchtigkeit nicht leicht aus-zutrocknen sei, weshalb die Fette nicht faulen; — und fernerdass der Feuchtigkeit nicht zu wenig sei, denn wenig trocknetleicht aus. Daher sind auch die grossen Thiere und Pflanzen imGanzen genommen langlebiger, wie früher gesagt ist; denn natür-lich haben die grossem mehr Feuchtigkeit.
42. Unter den Pflanzen sind sehr langlebige häufiger alsunter den Thieren, zuvörderst weil sie minder wässerig sind, unddaher nicht so leicht erstanden; sodann haben sie Fettigkeit undZähigkeit, und wiewohl sie trocken und erdig sind, so besitzensie doch eine nicht leicht auszutrocknende Feuchtigkeit.
43. Nothwendig müssen Leben und erhaltende Wärme mit
39) De vita longa et brevi cap. 1. pag. 464 b,
40) Ibid, cap. 4. pag. 466 a.
41) Ibid. cap. 6. pag. 466 a.
4*2) Ibid. cap. 6. pag. 467 a.
43) De juvent. et senect. cap. 4. pag. 489 b.