Band 
Erster Band.
Seite
235
JPEG-Download
 

235

Buch III. Kap. 2. §. 32.

der berühmte Herophileer Andreas ein Karystier war, sehe aberauch keinen Grund daran zu zweifeln. Und wenn der Gramma-tiker Eratosthenes 1 ) den Arzt Andreas, der seine Schriften ge-plündert hatte, spottweise einen Bibliägisthos nannte, anspie-lend auf Aegisthos, den Bulen der Klytämnestra , -so sehe ichwieder keinen Grund, denselben für verschieden von dem unsrigenzu halten, der sich, wie wir gleich finden werden, auch mit histo-risch - grammatischen Aufgaben beschäftigte. Dies vorausgesetzt,stelle ich den Herophileer Andreas, bis ich eines bessernbelehrt werde, muthmasslich in die Zeit des Plratosthenes, dasheisst nach 247 , dem Jahr der Berufung desselben nach Alexan-drien , und vor 11)4, dessen Todesjahr. Dieser Zeitbestimmungnach ist es endlich sehr wahrscheinlich, dass unser Andreas der-selbe war, der als Leibarzt des Ptolemäos Philopator im Jahre217 v. Chr. in der Schlacht bei Rhaphia umkam 2 ).

Man hat Anstoss genommen an den verschiedenen UrtheilenVerschiedener über ihn. Dioskorides, der sich um fremde Mei-nungen wenig bekümmert, citirt ihn nicht nur an verschiedenenStellen 3 ), sondern bezeichnet ihn und den Ivrateuas in seiner Vor-rede als diejenigen, welche für die genauesten Schriftsteller überArzneimittellehre galten. Er findet nichts an ihren Werken aus-zusetzen, als dass sie einige nützliche Wurzeln und Kräuter ohneKennzeichen liessen, also botanisch nicht so vollständig waren,wie sein eigenes Werk, das wir noch besitzen, werden sollte. MitRecht dürfen wir daraus folgern, dass des Andreas "Werk in glei-cher Art, wie das des Dioskorides selbst, botanisch war, das heisstdie Arzneipflanzen beschrieb und ihre Wirkungen hinzufügte.

Ganz anders lautet des Galenos 4 ) Urtheil: „Unter den altenAerzten ist keiner, der nicht die Kunst (d. h. die Medicin ) in derKenntniss der Arzneimittel mehr oder weniger um etwas berei-

1 ) Etymoloyicum matjnum aub voce ßtft/.ictiytoftog.

2) Pvlyb. V , cap. &1.

3) Dioscor. ml. 1 , pag. 2 , 474. 530 , 557 , edit. Sprengelii.

4) Galen, opp. ed. Kühn A7, p. 795 sqq.