Band 
Dritter Band.
Seite
421
JPEG-Download
 

Buch XI. Kap. 3. §. 61.

421

meinstcn Pflanzen, vornehmlich die der Gärten, von Getreideartennur Weizen und Gerste. Ob man daraus folgern darf, dass zuHrabanus Zeit in seiner Gegend kein andres Getreide gebaut ward?Ich <dmibe es kaum: der anisi" studirende Mönch bekümmerte

o 3 ö

sich wohl nur nicht um den Feldbau. Charakteristisch ist, dassvon den Heilkräften der Pflanzen so wenig gesagt wird, bei denmeisten, zum Theil sehr wirksamen, gar nichts; wieder ein Beweisfür den tief gesunkenen Zustand der Heilmittellehre wie der ge-summten Medicin in jener Zeit.

Das ist des Werkes schmächtiger botanischer Inhalt, und dochein Fortschritt. Griechische und römische Literatur sahen wir all-mälig zusammenschrumpfen zu Enkyklopädien und elenden Ex-cerptensammlungcn; hier im Gegentheil beginnt eine neue Epochemit einem ähnlichen, ja noch ärmlicheren Sammelwerk, in das derVerfasser die ihm zugänglichen spärlichen Ueberreste des Wissensaus der Vorzeit mühselig zusammenscharret; doch nicht ohne einegewisse Originalität. Urtheile man über die Symbolik des Ilra-banus, wie man will, so muss man einräumen, dass sie grossen-theils sein Eigenthum ist. Von wie wenigen der spätem Börnerund Griechen lässt sich dasselbe rühmen! Der Vorwurf, dass ersich bei Xaturgegenständen nur an die Namen, nicht an die Dingegehalten, trifft auch schon manchen seiner Vorgänger, bis aufPlinius zurück, und noch manchen seiner Nachfolger bis inssechzehnte Jahrhundert abwärts. Doch wird sich zeigen, wie ebendergleichen grammatisch-philologische Studien später wieder zurNaturbetrachtung selbst zurückführten. Soll aber das Alles nichtgelten, so erwäge man noch Eins. Unstreitig war Hrabanus dergelehrteste Mann seiner Zeit, darüber sind alle Urtheile einig, —und dieser Mann war zugleich der erste Deutsche, der jemalsdie Feder ergriff; welche andre Nation darf den ersten Gelehr-ten, den sie hervorbrachte, ihm gleichstellen? Darum gönne manihm den bescheidenen Platz, den ich ihm hier auch unter denBotanikern einräumte, und das geringe Lob, das ich ihm spendete.