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Buch XII. Kap. 2. §. 10.
den Naturforscher nicht ganz leer ausgehen. Es enthält eine Be-Schreibung der Tartarei nach den Berichten der ältesten Missio-narien, welche dieselbebereisten, des Dominicaners Ascelin, des-sen Begleiter Simon von St. Quentin dem Vinccntius bekanntwar, und ihm mündlichen Bericht erstattete, und des MinoritenJoannes de Plano Carpini. Doch für den Botaniker wüssteich nichts einigermassen Erhebliches aus ihren Berichten anzuführen.
Fragen wir nun nach dem Einfluss eines an sich so bedeu-tenden Werks auf den (lang der Wissenschaft, so sehen wir unsregerechten Erwartungen getäuscht. Alberts Leistungen blieben fastwirkungslos, weil sie ihre Zeit überragten; das Werk des Vincen-tius entsprach ganz dem Geist seiner Zeit, und frischte zugleich soviel Vergessenes aus einer bessern Zeit wieder an, dass man glau-ben möchte, es müsste der Wissenschaft einen neuen kräftigenImpuls gegeben haben. Wir sehen uns um nach seinen Wirkun-gen und — finden sie nicht. Das Werk erlag, wie es scheint,seiner Massenhaftigkeit und den immensen Kosten seiner Verviel-fältigung. Als ein kostbarer Schatz lag es angekettet in wenigenBibliotheken, wurde gewiss als Merkwürdigkeit oft genug vorge-zeigt und bewundert, und desto seltener studirt. Es war eins derersten, dessen sich nach Erfindung der Buchdruckerkunst die Pressebemächtigte; sechs- vielleicht gar siebenmal ward es vollständiggedruckt, doch vermuthlich nur in schwachen Auflagen; denn längstgehören alle Ausgaben, zumal die altern und bessern, zu den Sel-tenheiten. Einzelne Naturforscher der nächst folgenden Zeit be-nutzten es, die meisten kennen es nicht.
In neuerer Zeit machten die Philologen, z. B. Schneiderbei Bearbeitung der Scriptores rei rusticae, Gebrauch davon zurBerichtigung des Textes alter Schriftsteller. Doch bemerkt schonBeckmann 1 ) in Bezug auf des Pseudo-Aristoteles Büchlein demineralibus: „Zuweilen hat Vincentius einerlei Stelle mehrmalangeführt, und jedesmal etwas anders. Wenn er eben so eigen-
I) Beckmann, Vorrath kleiner Anmerkungen, Stück 11, Güttingen lisU3 ,Seite 368.