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Der Firsternhimmel und seine tägliche Bewegung.
hergehenden Secunde hinzukommen. So ist es möglich, den Zeitpunkt einerBeobachtung bis auf Hundertel-Secunde» genau zu ermitteln.
Die große Genauigkeit der Ablesung ist ein wesentlicher Vorzug dergalvanisch rcgistrirenden Uhr, außerdem aber gestattet diese Methode nochin gleicher Zeit ungleich mehr Beobachtungen anzustellen, als es vorhermöglich war.
Bisher mußte man die Uhr immer neben fich haben, um den Secundenschlagzu hören; konnte eine Beobachtung nicht gerade in der unmittelbaren Nahe derUhr gemacht werden, so war dies, selbst wo alle Hülfsmittel gegeben waren,eine sehr umständliche Sache; bei einer registrirendcn Uhr dagegen ist es ganzgleichgültig, wo sie steht, da man die Drahtlcituug leicht durch alle Zimmereiner Sternwarte führen kann; es ist nicht einmal erforderlich, daß die astrono-mische Uhr im Beobachtungssaale selbst ihren Platz habe, vielmehr erscheint eszweckmäßiger, sie in einem Wohnzimmer oder Büreau — natürlich an einemisolirten Pfeiler — aufzustellen^, wo sie keiner großen Temperaturveränderungausgesetzt ist und einen gleichmäßigen Gang einhalten kann.
Eine registrirende Uhr läßt sich ferner noch mit dem elektrischen Telegra-phen in Verbindung bringen und zu mannigfaltigen Zwecken benutzen. Die-selbe Uhr kann z. B. einen Registrirapparat an der Münchener und eine» a»der Wiener Sternwarte haben, und wenn an beiden Orte» der Durchgang der-selben Sterne durch den Meridian beobachtet wird, so läßt sich daraus mit einerbisher nie erreichten Sicherheit die geographische Längendifferenz ableiten.
Lamont hat diesen Apparat sehr verbessert. Den Papierstreifen ersetzteer durch eine mit Ruß geschwärzte Metalltrommel, welche durch ein Uhrwerk mitgleichförmiger Geschwindigkeit um eine horizontale Are gedreht wird. Auf bei-den Seiten der Walze ragt die stählerne llmdrehungsare vor und ruht auf zwei mes-singenen Lagern. Die eine Hälfte dieser Are ist nun mit einem Schraubenge-winde versehen, so daß beim Umdrehen der Walze auch ein gleichförmiges Fort-schieben derselben in der Richtung ihrer Längenare stattfindet; die Secunden-punkte, welche durch einen in Folge der Schließung der Kette an die Walze ange-drückten Stift hervorgebracht werden, bilden demnach auf derselben eine Spirale.
Die Beobachtungspunkte werden durch einen dicht neben dem ersteren ange-brachten Stift markirt.
Das Gebäude, in welchem das Passageinstrument aufgestellt ist, muß sowohlan der nördlichen und südlichen Wand als auch an der Decke mit einer schmalenOeffnung versehen sein, gerade als ob es in der Ebene des Meridians durch-gesägt wäre. Diese Spalte, welche erlaubt, das Fernrohr nach allen im Me-ridian gelegenen Punkten des Himmels zu richten, braucht jedoch nicht beständigoffen zu sein, sie ist vielmehr durch eine Reihe von Klappen geschlossen, von de-nen jede für sich geöffnet werden kann.
Das Aequatorialiiistrument. Stundenwinkel und Declination sindin Beziehung auf den Aequator ganz dasselbe, was Azimut und Höhe für den Ho-rizont sind, es muß sich demnach auch ein Instrument construiren lassen, welches
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