34
Erstes Buch. Erstes E achtet.
der Uhr, um sich die Stellung der Zeiger zu merke»,, und zählt dann, in dasFernrohr blickend, die Secunden nach dem Schlage der Uhr weiter, bis zum Mo-ment, wo er den Stern den verticalen Faden pasfiren sieht.
Auf diese Weise erhält man den Moment der Kulmination ungefähr auf1 Secunde genau. Da nun aber 1 Zeitsecnndc 15 Bogensecunden entspricht,so reicht eine solche Genauigkeit für astronomische Bestimmungen nicht hin, undder Beobachter muß noch Bruchtheile der Secunde zu schätzen suchen, worinman durch Uebung eine große Fertigkeit erlangen kann.
Um eine größere Genauigkeit der Resultate zu erlangen, hat man das ein-fache Fadenkreuz, wie wir es S. 23 kennen gelernt haben, durch eine Reihevon Fäden ersetzt, welche so geordnet sind, wie man Fig. 22 sieht. Reben demmittleren verticalen Faden sind nämlich in gleichen Ab-ständen auf jeder Seite noch zwei andere ausgespannt.Man beobachtet nun für jeden dieser fünf Fäden denZeitpunkt, in welchem der Stern ihn passirt, und nimmtdann aus jenen fünf Beobachtungen das Mittel als denZeitpunkt der Culmination des Sternes.
Von der größten Wichtigkeit für Rectascensionsbe-stimmungen sind die galvanisch registr treu denUhren, welche von dem Amerikaner Locke zuerst in Anwendung gebracht wur-den. Wird bei jedem Schlage des Pendels einer astronomischen Uhr die galva-nische Kette geschlossen, in deren Schließungsbogen eine dem Morse'schen Tele-graphen ähnliche Vorrichtung eingeschaltet ist, so wird der Stift bei jedem Se-cundenschlage einen Punkt auf dem mit gleichmäßiger Geschwindigkeit vorwärtsbewegten Papierstreifen machen. Beim Locke'schc» Apparate ging der Pa-pierstrcifen mit einer solchen Geschwindigkeit voran, daß die Secundenpunkleungefähr eine» Zoll von einander abstanden.
Reben dem Elektromagneten dieses Schrcibapparates ist aber noch ein zwei-ter angebracht, dessen Windungen einer anderen Kette angehören, welche derBeobachter beliebig schließen kann, indem er mit dem Finger eine Taste anschlägt.Durch die Schließung dieser zweiten Kette wird nun gleichfalls ein Stift gegenden Papicrstreifen gedrückt; bei wiederholtem Anschlagen entsteht so auf demPapierstreifcn neben der ersten Reihe von Punkten, den Secundenpunktcn,eine zweite, welche wir Beo dach tu ngs punkte nennen wollen.
Um den Moment einer Skernculmination zu erhalten, schaut der Beobach-ter in das Fernrohr, während er den Finger über die Taste hält, die er in demMomente niederdrückt, in welchem der Stern hinter den Faden tritt. Auf dieseWeise wird der Beobachtungsmoment auf dem Papierstreifen markirt.
Steht der Beobachtungspunkt »eben einem Secundenpunkle, so ist derBeobachtungsmoment genau durch eine ganze Secundcnzahl gegeben. Trifft derBcobachtungspunkt nicht neben einem Secundenpunkle, sondern zwischenzwei Secunden ein, so kann man mit dem Zirkel die Entfernung auf demPapierstreifen abmessen und danach (mittelst einer Scala) bestimmen, wievielZehntel und, wen» man will, Hundertel einer Secunde noch zu der nächst vor-
F,a. 22.
tun' »