25 «
Zweites Bück. Zweites Capitel.
118 Polarisation des blauen Himmels. Daß das Licht des blauenHimmels polarisirt ist, hat zuerst Arago beobachtet. Man kann sich von dieserPolarisation leicht überzeugen, wenn man durch ein Nicol'sches Prisma oderdurch eine parallel mit der Are geschnittene Turmalinplatte nach irgend einerStelle des blauen Himmels hinschaut und dann das Prisma um seine Are oderdie Turmalinplatte in ihrer Ebene umdreht; man sieht auf diese Weise das Ge-sichtsfeld abwechselnd heller oder dunkler werden.
Noch besser als mit einem Nicol'schen Prisma oder einer Turmalinplatteerkennt man die Polarisation des Himmels durch das bereits auf Seite 232 er-wähnte Polariskop.
Den Polarisakionsgesetzen entsprechend ist die Schwingungsebene der Strah-len, welche uns irgend eine Stelle des blauen Himmels zusendet, stets rechtwink-lig zu der Ebene, welche man sich durch die betrachtete Stelle des Himmels, dasAuge des Beobachters und die Sonne gelegt denken kann. An jeder einzelnenStelle des Himmels wird sich also die Lage der Schwingungsebcne im Laufe desTages allmälig ändern, je nachdem die Sonne in ihrer täglichen Bewegung fort-schreitet. So wird z. B. für den Nordpol des Himmels die SchwingungsebeneMorgens um 6 Uhr vertieal sein, d. h. sie wird mit dem Meridian des Beob-achters zusammenfallen; je mehr die Sonne steigt, desto mehr neigt sich dieSchwingungsebene den polarisirten Strahlen, welche uns der Nordpol desHimmels zusendet, und Mittags 12 Uhr ist die Schwingungsrichtung dieserStrahlen horizontal. Des Nachmittags schreitet die Drehung der Polarisa-tionsebene der vom Nordpol des Himmels kommenden Strahlen in gleicher Rich-lung fort, so daß sie Abends 6 Uhr wieder vertikal steht.
Eine sehr sinnreiche Anwendung dieser Verhältnisse ist Wheatstone'sPolaruhr, ein Instrument, mittelst dessen man aus dem Polarisationszustandedes Nordpols des Himmels die Zeit bis auf einige Minuten genau ermittelnkann. Der wesentlichste Theil des Instrumentes ist ein Polariskop, also einNicol'sches Prisma, welches mit einem dünnen Gypsblättchen so verbunden ist,daß die Schwingungsebene des Nicols die Schwingungsebene der beide»Strahlen im Gypsblättchen haibirt. Schaut man durch eine solche Combination,das Nicol dicht vor das Auge haltend, nach dem Nordpol des Himmels, so wirddie Farbe in welcher das Gypsblättchen erscheint, sich ändern, je nachdem mandie ganze Vorrichtung um die Are des Nicols dreht. Bei einer bestimmtenStellung zeigt das Gypsblättchen ein Marimum von Farbenglanz auf dunklemGrunde.
Diese Stellung ändert sich aber mit der Zeit, auf welche man aus demWinkel schließen kann, weichen die Schwingungsebene des Nicols mit der Hori-zontalen macht, wenn eben das Gypsblättchen so erscheint, wie es zwischen dengekreuzten Spiegeln des Polarisationsapparates der Fall sein würde.
Man sieht wohl ein, daß man nach diesen Andeutungen eine Polaruhrin mancherlei Formen herrichten kann. Eine ziemlich einfache und zweckmäßigeEinrichtung der Art dürfte die Fig. 168 in 1 j 3 der natürlichen Größe abgebil-dete sein.