Band 
Lehrbuch der kosmischen Physik.
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Viertes Buch. Zweites Capitel.

schaulich gemacht, welche den mittleren täglichen Gang der täglichen Variationender Dcclinationsnadel zu Göttingen darstellt. Die Abscissen sind der Zeit, dieOrdinaten den Variationen der Declination proportional, und zwar entsprichtder Abstand zweier Verticalstriche einem Zeitintervall von 1 Stunde, währendder Abstand zweier Horizontallinien einer Winkeldifferenz von 1 Minute ent-spricht. Am oberen Rande der Figur ist die Zeit nach bürgerlicher, am unterenRande ist sie nach astronomischer Weise gezählt.

Ein Steigen der Curve entspricht einer nach Osten, ein Sinken entsprichteiner nach Westen gerichteten Bewegung des Nordendes der Nadel.

Die Amplitude der täglichen Bewegung der Magnetnadel, d. h. der Winkelzwischen ihrem östlichsten und ihrem westlichsten Stande, ist veränderlich, undzwar ist sie im Allgemeinen von der Jahreszeit abhängig; sie ist größer imSommer, kleiner im Winter. Folgendes sind die Mittelwerthe dieser Amplitude

für die verschiedenen

Monate zu Göttingen :

Januar .

. . 6,7'

Juli . . .

12,1'

Februar

. . 7,4

August . . .

13,0

März .

. . 11,9

September .

11,8

April

. . 13,9

October . .

10,3

Mai . .

. . 13,5

November .

6,9

Juni . .

. . 12,5

December

5,0

Derselbe Gang der täglichen Variationen der Declination zeigt sich imWesentlichen sür alle Orte, welche nördlich vom magnetischen Aequator liegen,nur werden sie um so schwächer, je mehr mau sich von den Polargegcnden ausdem magnetischen Aequator nähert, für welchen sie fast völlig verschwinden, umauf der Südhälfte der Erde in gleicher Weise, aber in entgegengesetzter Richtungaufzutreten, d. h. auf der südlichen Hemisphäre bewegt sich das Südende derNadel zu denselben Tageszeiten nach Westen, in welchen auf der nördlichenHemisphäre das Nordendc der Nadel nach Westen geht.

Auch die Jnclinatiou ist Variationen von 24stündiger Periode unter-worfen, und zwar ist sie im Durchschnitt um l0 Uhr Morgens am größten undum 10 Uhr Abends am kleinsten.

Dieselben Wendestunden zeigen auch die täglichen Variationen der totalenIntensität, nur zeigt sich hier ein entgegengesetzter Gang, indem das Maxi-mum der totalen Intensität im Durchschnitt Abends um 10 Uhr, das MinimumMorgens um 10 Uhr eintritt.

Magnetische Störungen. Wenn man die Declinationsnadel mitSorgfalt beobachtet, so zeigt sich, daß sie keineswegs so stetig von Ost nach Westund dann wieder von West nach Ost geht, wie es die Curve Fig. 268 zeigt,welche ja nur als Durchschnitts-Resultat einer großen Reihe von Beobachtungengewonnen wurde. Von diesem in Fig. 268 dargestellten normalen Gangeder Dcclinationsnadel weichen die wirklichen Schwankungen in der Lage desmagnetischen Meridians, wie sie an einzelnen Tagen beobachtet werden, mehroder weniger ab. Ueberhaupt aber ist die Bewegung der frei beweglichen Magnet-nadel keineswegs eine gleichförmige, sondern sie geschieht immer mehr oder