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Der Erdmagnetismus.
mcter gerade i» dem Augenblicke, wo der Blitz in der Nähe des Observatoriumsauf freiem Felde einschlug, ohne daß er eine auffallende Bewegung der Nadelwahrnehmen konnte.
Anders verhält es sich mit Erdbeben und vulcanischen Aus-brüchen, welche älteren und neueren Beobachtungen zufolge meist von be-deutende» magnetischen Störungen begleitet sind. So sah Bernouilli imJahre 1767, daß während eines Erdbebens die Jnclination um 1 / 2 Gradabnahm, und bei einem Ausbruch des Vesuvs bemerkte Pater d e la Torre,daß die Declination um mehrere Grade variirte.
Am 18. April 1842 um 9 Ilhr 10 Minuten beobachtete Kreil in Prag gerade das Dcclinationsinstrument, als die Nadel plötzlich einen so starken Stoßerhielt, daß die Scala über das Gesichtsfeld des Fernrohrs hinausfuhr. DieselbeOscillation wurde in demselben Augenblicke und zwar in gleicher Richtung auchvon Cella in Parma und von Lamont in München beobachtet, und kurzeZeit darauf erfuhr man, daß in derselben Minute in Griechenland einheftiges Erdbeben stattgefunden hatte.
In einem sehr innigen Zusammenhange mit den magnetischen Störungenstehen auch die Nordlichter, welche wir in den folgenden Paragraphen be-sprechen wollen.
Ueber die Ursache der magnetischen Störungen läßt sich nicht wohl ehereine zuverlässige Ansicht gewinnen, als man weiß, wo man eigentlich den Sitzder crdmagnetischcn Kräfte zu suchen habe. Geleitet durch die Unregelmäßig-keiten im Verlaus der magnetischen Curven, welche bereits aus Seite 482 er-wähnt wurden, hat es Lamont höchst wahrscheinlich gemacht, daß der Sitz desErdmagnetisnius in einem eompactcrcn Kerne zu suchen sei, welcher sich unterder weniger dichten Erdrinde befindet, auf welcher wir leben.
Da wir nun aber wissen, daß das Innere der Erde sich in feurig-flüssigemZustande befindet, so besteht demnach die feste Erdrinde aus zwei Schichten;einer weniger dichten, unter der sich dann eine compacterc befindet, welcheder Sitz des Erdmagnetismus ist. Diese magnetische Schicht, welche man sichals eine metallische, oder mit zahlreichen Adern von Eisen durchzogene vorstellenkann, ist im Allgemeinen ebenfalls von kugelförmiger Gestalt, aber sie ist, wiedie äußere Erdoberfläche, mit mehr oder minder beträchtlichen Erhöhungen ver-sehen. An solchen Stellen unserer Erdoberfläche nun, welche gerade über denhöchsten Gipfeln dieser unterirdischen magnetischen Gebirge liegen, wird nunoffenbar der Erdmagnetismus stärker vertreten und es ist somit klar, daß die unsnoch unbekannte Lage dieser magnetischen Hcrvorragungcn einen wesentlichenEinfluß auf den Lauf der magnetischen Curven haben muß.
Nach dieser Hypothese begreift man nun sehr gut, daß Erdbeben und na-mentlich Ausbrüche von Vulkanen stets von mehr oder weniger starken magneti-schen Störungen begleitet sein müssen, denn bei jedem Ausbruche eines Vulkansmuß diese magnetische Kruste durchbrochen werden, und bei jedem Erdbeben er-leidet dieselbe mehr oder weniger bedeutende Erschütterungen.
Die magnetischen Störungen, welche wir in den letzten Paragraphen bc-
Mülle*'« kosmische Physik. 32