Der Erdmagnetismus. . r »ll
Höhe, Ausdehnung und geographische Verbreitung der Nord- 212lichter. Die älteren Naturforscher waren der Ansicht, daß der Sitz der Nord-lichter noch über den Gränzen der Atmosphäre zu suchen sei. Diese Ansichtwar jedenfalls eine irrige. Wenn das Nordlicht sich außerhalb unserer Atmo-sphäre befände, so könnte es an der täglichen Umdrehung der Erde keinen An-theil nehmen, es müßte also die scheinbare tägliche Bewegung des Firstcrn-himmels theilen, was entschieden nicht der Fall ist; im Gegentheil verhält sichdas Nordlicht gegen das Himmelsgewölbe durchaus wie ein irdischer Gegenstand;es ist also keinem Zweifel unterworfen, daß sich das Nordlicht innerhalb un-serer Atmosphäre bildet.
Aber welches ist seine Höhe über der Erdoberfläche? Um diese Frage zubeantworten, verglich man die scheinbare Höhe, in welcher der Gipfelpunkt desLichtbogens eines und desselben Nordlichtes von verschiedenen, an mehr oderweniger weit von einander entfernten, wo möglich auf demselben magnetischenMeridian liegenden Orten, befindlichen Beobachtern gesehen wurde. DergleichenBestimmungen führten nun zu sehr verschiedenen Resultaten, was sehr begreiflichist, wen» man bedenkt, daß es sehr zweifelhaft ist, ob die verschiedenen Beob-achter eines und desselben Nordlichtbogens bei ihren Messungen wirklich densel-ben Punkt cinvisirt und gleichzeitig gemessen haben. Daher kommt es auch,daß sich sogar für ein und dasselbe an sehr vielen Orten beobachtete Nordlichtsehr verschiedene Höhen ergeben, je nachdem man diese oder jene Beobachtungenmit einander eombinirt.
So findet z. B. Hanstccn für das Nordlicht vom 7. Januar 1831 dieHöhe von 26 geographischen Meilen, indem er die Messungen der scheinbarenHöhe des Bogens von Berlin und Christiansand in Norwegen eombinirt, wäh-rend Christic aus verschiedenen in England angestellten Beobachtungen des-selben Nordlichtes eine Höhe von 5 bis 25 englischen Meilen berechnet.
Die Bestimmungen neuerer Physiker weisen den Nordlichtern eine weit ge-ringere Höhe au, als man früher annahm. Nach Mai ran sollte die mittlereHöhe der Nordlichter 120, nach Cavendish (1790) soll sie 60, und nachDalton (1828) nur 18 geographische Meilen betragen.
Farqhuarson endlich macht es wahrscheinlich, daß die Nordlichter, wiedies auch schon früher z. B. von Wrangcl ausgesprochen worden ist, bis indie Region der Wolken heruntergehen; er stützt sich dabei unter Anderem auf eineNordlichtsbeobachtung vom 20. December 1829. Er sah nämlich von 8ssz bis11 Uhr Nachts zu Alford in Abcrdecnshire ein sehr glänzendes Nordlicht übereiner dichten Wolkenmasse, welche die Spitzen der nördlich von seiner Wohnungliegenden Correnhügel bedeckte. Obgleich der übrige Theil des Himmels heiterwar, so stieg das Nordlicht doch nie höher als 20°. Gleichzeitig sah der Pre-diger Paull zu Tullyncßlc, welches zwei englische Meilen nördlich von Alfordin einem engen Seitenthalc der erwähntenHügclrcihe liegt, um Oi ^UhrAbends .das Nordlicht sehr hell in der Nähe des Zeniths. Demnach würde die Höhedieses Nordlichts höchstens 4000 Fuß betragen haben. -