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Viertes Buch. Zweites Capitel.
Diese Ansicht wird nun auch durch vielfache in neuerer Zeit in. den Polar-gegendcn gemachte Beobachtungen unterstützt, und namentlich auch von Parry,Franklin, Hood und Richardson vertreten. Franklin beobachtete Nord-lichter, welche zwischen einer Wolkenschicht und der Erde befindlich waren undwelche die untere Fläche dichter Wolken erleuchteten.
So viel ist gewiß, daß sich das Phänomen des Nordlichtes in sehr ver-schiedenen Höhen bildet, daß sie aber schwerlich je über eine Höhe von 20 Mei-len hinausgehen.
Ein Umstand, welcher gleichfalls dafür sprechen dürfte, daß sich die Nord-lichter häufig wenigstens in sehr geringen Höhen bilden, ist das Geräusch, wel-ches manchmal ihre Erscheinung begleiten soll. Dieses Geräusch wird von Eini-gen mit demjenigen verglichen, welches entsteht, wenn ein Stück Seidenzeugüber einander gerollt wird, von Anderen, wie Parrot, mit dem Geräusch derstark vom Winde getriebenen Flamme einer Feuersbrunst. In Sibirien soll,wie Gmelin erzählt wurde, das Nordlicht oft mit so heftigem Zischen, Platzenund Rollen verbunden sein, daß man ein Feuerwerk zu hören glaubt, und daß ,sich die Hunde der Jäger, von solchen Nordlichtern überfallen, vor Angst aufden Boden legten.
Von anderer Seite wird aber die Existenz eines solchen Geräusches vielfachbezweifelt. Mehrere Beobachter, welche häufig in Schweden und Norwegen Gelegenheit hatten, das Phänomen des Nordlichtes zu beobachten, versichern,nie das geringste Geräusch gehört zu haben. So sagt Wränget von seinemAufenthalt an den Küssen des sibirischen Eismeeres: Wir hörten beim Erschei-nen der Säulen kein Krachen, überhaupt kein Geräusch. Nur wenn ein Nord-licht eine große Intensität hatte, wenn die Strahlen sich oft nach einander bil-deten, däuchte es uns, als höre man Etwas, wie ein schwaches Blasen desWindes in die Flamme. Parry, welcher bei seinem mehrmaligen Aufenthaltein den Polargegenden sehr oft dche Erscheinung des Nordlichtes beobachtete, undFranklin, welcher am Bärcnsee deren 343 sah, versichern, nie ein Geräuschgehört zu haben, und sind der Meinung, daß das, was man für ein Geräuschdes Nordlichtes hielt, wohl nichts als das Rauschen des Windes selbst oder dasKrachen des in den hellen kalten Nordlichtnächten berstenden Eises gewesen sei.
Die in geringen Höhen sich bildenden Nordlichter, wie sie in den Polarregionenöfters vorkommen, sind auch nur in geringen Entfernungen sichtbar. So führtHood ein Nordlicht an, welches er am 2. April 1820 in Cumbcrland-Housc(im britischen Nordamerika , auf den Isothermenkarten verzeichnet) als einenglänzenden Bogen in 10"Höhe beobachtete, und von welchem man 55 englischeMeilen südwestlich nichts wahrnahm; und ein anderes Nordlicht, welches am6. April mehrere Stunden im Zenith von Cumbcrland-Housc stand, erschien100 englische Meilen südwestlich nur noch als ein ruhiger ungefähr 9° hoherBogen.
Bei uns werden nur solche Nordlichter sichtbar, welche sich zu größererHöhe erheben.
Während die Sichtbarkeit der meisten in den Polargegendcn sich bildenden