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CAP. XVIII. 1)115 GRENZEN PER VEGETATION NACH DER HOHE.
abhängig ist von der Menge und Vertheilung des atmosphärischen Niederschlages, von derBewölkung, der Insolation, den Winden u. s. w. Wir werden jedoch versuchen, so weites möglich ist, auch einige Beispiele für den Zusammenhang dieser Erscheinungen mit derVegetation aufzusuchen.
Die Temperatur des Bodens kann sich auf die tieferenTheile beziehen, derenconstantere Wärmeverhältnisse sich an den Quellen beobachten lassen, oder auf dieSchichten in der Nähe der Oberfläche, welche den Wurzeln besonders der kleinerenPflanzen zur Unterlage dienen. Die letzteren Lagen erleiden sehr bedeutende Veränder-ungen der Temperatur, durch Strahlung während der Nacht, und durch die Insolation beiTage; diese Schwankungen scheinen mit der Höhe zuzunehmen. Die Temperatur dertieferen Bodenschichten suchten wir auf einer Darstellung der Isogeothermen für einen Theilder Alpen zu vereinen.
Schon Wahlenderg und Leopold v. Buch 1 ) haben für den Norden Europas den Zu-sammenhang der Quellentemperaturen mit dem Gedeihen und den Grenzen der Vegetationhervorgehoben; auch in den Alpen ist derselbe deutlich zu erkennen, besonders in Be-ziehung auf die Grenzen der verschiedenen Bäume. In der Nähe der Conifercngrenzescheint die Bodentemperatur, wenigstens in jenen Theilen, wo wir diess selbst näheruntersuchten, im Mittel um 3,5 Gels, zu oscilliren; zugleich sind dabei in verschie-denen Gebirgsgruppen die Veränderungen der Höhe dieser Isotherme und der Baumgrenzeziemlich ähnlich. 2 )
Die Menge und die Vertheilung der atmosphärischen Feuchtigkeitverändern sich mit der Höhe und in verschiedenen Alpengruppen. Es ist dabei für die Ve-getation zu unterscheiden zwischen den wirklichen Niederschlägen und dem Dampfgehalteder Atmosphäre; die absolute Menge des letzteren, nämlich die Elasticität des Dampfesnimmt mit der Höhe ab; die relative Feuchtigkeit der Luft hingegen, welche zu-
1) Gilbert Ann. XLI. und Pogg. Ann. XII.
2) Ueber die Beziehung, in welcher die Bodentemperatur zu den Lebensbedingungen der Bäumesteht, vergl. Schleiden Grundzüge der wissenschaftlichen Botanik 2. Ausg. 1845. Bd. II. S. 537. Beider Wichtigkeit dieses Gegenstandes für pflanzengeographische Untersuchungen, dürfen wir uns erlauben,einige Worte desselben hier anzuführen: »Bäume unseres Climas zeigen in ihrem Inneren eine ver-änderliche Temperatur, die im Winter höher, im Sommer niedriger als die der umgehenden Atmo-sphäre ist. In ihren Veränderungen folgt sie stets sehr genau den Veränderungen der Atmosphäre imSteigen und Fallen; bei lange anhaltenden hohen und niedrigen Temperaturen der Atmosphäre nähertsie sich denselben immer mehr ohne sie ganz zu erreichen. Ais Grund dieser Erscheinung kann manmit höchster Wahrscheinlichkeit den Gang der Erdtemperatur in der Tiefe, in der sich die Wurzelnausbreiten, angeben; von dort wird die Temperatur theils durch den aufsteigenden Saft, theils durchdas grosse Leitungsvermögen des Holzes seiner Lange nach dem Stamme mitgetheilt, und hier, theilsdurch die schlechte Leitungsfahigkeit des Holzes der Quere nach, theils durch die Bekleidung mitRinde, einem sehr schlechten Wärmeleiter, geschützt und erhalten.« Specielle Beobachtungen über die-sen Gegenstand wurden angestelit: von Schürler ; von Halder : Beobachtungen über die Temperaturder Vegetabilien, Tüb. 1826 ; von Neuffer : Untersuchungen über die Temperaturveränderungen der Ve-getabilien, Tüb. 1829; von Do la Rive und Alphonse de Candolle . Pogg. Ann. Bd. XIV. p. 590—594.Wenn auch die Schichten, bis zu welchen die Wurzeln der Bäume reichen, noch nicht die constanteTemperatur der tieferen Bodenschichten zeigen, so sind sie derselben doch ziemlich genähert, und ihreTemperatur ist von jener der tieferen Lagen sehr wesentlich abhängig.