CAP. XVIII. DIE GRENZEN DPR VEGETATION NACH DER HÖHE.
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Die Grenze der Wallnuss und der ausgedehnten Landwirtschaft (der unterenBergregion Waiilenrerg’s) zeigt in den nördlichen Alpen bei einem Vergleiche der ver-schiedenen Gebirgszuge ziemlich analoge mittlere Höhen.
In den Centralalpen gestatten nur die tiefer eingeschnittenen Ilauptlhäler Beobach-tungen über die unteren Vegetationsglieder, da die Sohlen der übrigen Thäler sich in zugrossen absoluten Höhen befinden. Bemerkenswerth sind die hohen Maxima der Wallnussbis 3600 Fuss, welche sich, obgleich sehr selten, in sonnigen Thalkesseln oder an südlichenAbhängen zur Seite dieser Becken zeigen. In den südlichen Alpen erleidet gerade diese Be-gion sehr wesentliche Veränderungen. Das Clima des nahen Italiens macht sich hier ammeisten geltend, es treten eine Reihe von neuen und wichtigen Vegetationsgliedern auf,z. B. der Ölbaum, die Pinie, die Feige, der Lorbeerbaum und Andere. Selbst die Rebeund Kastanie reifen am südlichen Monte Rosa höher, als im allgemeinen in den nörd-lichen Alpen die Wallnuss.
Die Vegetation der Laub bäume ist in den nördlichen Alpenzügen weitentwickelter als in den Centralalpen. In den letzteren zeigen die Grenzen der Laub-bäume grosse Unregelmässigkeiten. Eine allgemeine Verbreitung besitzen unter denselbennur die Esche und der Kirschenbaum , welche als regelmässige Begleiter der Dörfer ziem-lich sichere Grenzen bieten; jene der Buchen, Eichen und theilweise auch der Ahornbäumesind hingegen ungemein schwankend. Diese Bäume treten ziemlich selten auf und bildenwohl nirgends im Gebiete der Centralalpen grössere Waldungen. In manchen Thälern beson-ders in den inneren Theilen der hohen Gebirgsgruppen sind sie nach sehr übereinstimmendenAngaben selbst bei geringen Höhen zuweilen gar nicht vorhanden. Die Grenze der Buche,besonders in Beziehung auf Gruppen von Bäumen, reicht hier im allgemeinen weniger hochals in den nördlichen Alpen, und erleidet in manchen Theilen ungemein bedeutende De-pressionen. Die Eiche dürfte sich so ziemlich in gleichen mittleren Höhen erhalten;ebenso der Ahornbaum und die Vogelbeere.
Die geringe und unregelmässige Verbreitung, welche die Birke in den Alpen imGegensätze zu den scandinavischen Gebirgen besitzt, wurde schon durch Waiilenberghervorgehoben. Spätere Beobachtungen von Mohl, Martins und Heer, ebenso wie dieunseren haben jedoch gezeigt, dass dieser Baum sich zuweilen noch in grossen Höhenbefinden kann, und dann bis in die Nähe der Coniferengrenze, bis 6000 Fuss und selbstetwas darüber reicht 1 ).
Bei den mittleren und äussersten Grenzen der Cerealien ist beson-ders die Erhebung des Gebirges von grossem Einflüsse, indem ausser der Erhöhung der
1) Wir dürfen liier noch die hohen Standorte von Berberis erwähnen, welche sich nach denBeobachtungen von Mohl (Bot. Zeitung u. s. w. IS43. S. 429.) in den Schweizer-Alpen und ebensoin den östlichen Centralalpen finden. Dieser Strauch wächst dort bis zu 5000, 5400 und selbst in ver-einzelten kleinen Exemplaren bis 6500 Fuss, während Wahlenberg fand, dass er in der nördlichenSchweiz im allgemeinen die Bochengrenze kaum erreicht.