5
selben, Ferd. Keller, forschte auch anderwärts nach „Pfahl-bauten“ und siehe da — fast alle Seen der Schweiz wiesensolche auf, so dass die Zahl der in unserem Lande bekanntgewordenen Stationen jetzt über 200 beträgt. Manche der-selben haben noch in der Metallzeit existirt, die Mehrzahl abergehört der Steinzeit an. Es wurden auch anderwärts Pfahl-bauten konstatirt und heute noch gibt es in Amerika, Afrika und besonders im austral-asiatischen Archipel Völkerschaften,die, Schutz suchend vor feindlichen Menschen und wildenTieren oder vor den Fieberdünsten des Bodens, in Pfahlhütten•wohnen, die sie über dem Wasser oder auch über der Erdeerrichtet haben.
Die Waffen der Pfahlbauer der Steinzeit bestanden inKeulen aus Holz, Lanzen und Pfeilbogen. Das Steinbeil dienteim friedlichen Gewerbe, wie auf der Jagd und im Kampf,ebenso das Messer oder der Dolch. Unter den Hausgerätentreten uns zahlreiche Tongefässe entgegen in Form von Schalen,Tellern, Schüsseln, Bechern, Töpfen, ja selbst Krügen. Nebender Keramik verstand der Pfahlbauer, oder sagen wir lieberdie Pfahlbauerin, auch die Webekunst; davon zeugen Faden,Schnüre, Seile, Netze, Geflechte und Gewebe aus Pfahlbautender Steinzeit, wie z. B. Murten und Robenhausen. Man hatsogar Stickereien gefunden (in Irgenhausen hei Rfaffikon,Zürich ).
Während die Frauen der Seedörfer spannen und wobenoder Töpfe formten, besorgten die Männer ihre Herden oderbebauten die Aecker. Zwar gingen sie auch noch hie und daauf die Jagd, aber ihre Hauptbeschäftigung bildete das nicht.Sie hatten zahme Binder, Schweine, Schafe, Ziegen und derHund begleitete sie überall hin. Auf den Feldern gediehenzwei Sorten Gerste, drei Arten Weizen, Hirse, Fennich undvon den Gespinstpflanzen der Flachs. Das Handwerkzeughatte sich gegenüber dem der Höhlenbewohner gemehrt; nebenBeilen, die oft aus dem seltenen Halbedelstein Nefrit und